📰 Ein düsteres Lagebild Am 9. Januar 2026 zeichnet die Wiener Journalistin Anneliese Rohrer ein Bild wachsender Instabilität: Die USA steuern, befeuert von politischer Radikalisierung, auf innere Gewalt zu, während Europa aus Bequemlichkeit und Beschwichtigung alte Fehler wiederholt. Ihre Analyse versteht sich nicht als Alarmismus, sondern als Mahnung, die institutionellen Sicherungen des Westens ernst zu nehmen, bevor sie weiter erodieren.
🧨 Die Banalität des Unvorstellbaren Rohrers Kernthese lautet, dass das politisch „Unvorstellbare“ schrittweise banalisiert wird, bis es Realität ist. Was einst Ausnahme war, wird durch Wiederholung, Beschwichtigung und rhetorische Relativierung zur neuen Normalität.
🧭 Vergessene Lehren Europas Rohrer knüpft an frühere Warnungen vor aggressiver Machtpolitik an: Karel Schwarzenberg sah nach der Krim auch die Ukraine bedroht, der „Appetit“ wachse mit dem „Essen“. Diese Lektion sei in Europa verdrängt worden. Sie erinnert an Antonio Gramscis Satz, die Geschichte habe „keine Schüler“, als Formel für kollektive Lernverweigerung, wenn politische Bequemlichkeit nüchterne Lagebeurteilung ersetzt. Dahinter steht das konservative Argument, dass Sicherheits- und Rechtsordnungen nur tragen, wenn politische Führung sie aktiv verteidigt.
⚠️ Normative Entbindung in den USA Rohrer erkennt Anzeichen, dass die USA in eine Phase normativer Entbindung geraten. Sie verweist auf Äußerungen Donald Trumps, laut einem Interviewbericht, wonach nicht internationales Recht, sondern allein sein Gewissen Grenzen setze. Diese Selbstermächtigung könne autoritären Nachahmern weltweit als Vorlage dienen. Zudem prägte der Einsatz der Nationalgarde in demokratisch regierten Städten wie Washington, D.C., das Bild einer innenpolitischen Eskalation. Solche Bilder normalisieren, was zuvor als Ausnahme galt.
🏰 Europas Beschwichtigung und ihre Kosten Aus europäischer Perspektive kritisiert Rohrer die jahrelange Neigung, Annexionen, Vertragsbrüche und „Einmalige“ als Sonderfälle abzutun. Wer so argumentiert, schwächt am Ende die Geltung von Regeln für alle. Daraus folgt der konservative Erfahrungssatz: Frieden entsteht durch Stärke, Verlässlichkeit und Abschreckung, nicht durch die Hoffnung, dass Normbrüche folgenlos bleiben.
🛡️ Hoffnungsstrang eins Sicherheitsstrukturen Als ersten Hoffnungspunkt nennt Rohrer die Widerständigkeit professioneller Sicherheitsstrukturen. Historisch verweist sie auf Vorkehrungen im US-Militär während der Reagan-Ära, als zusätzliche Sicherungen gegen impulsive Entscheidungen diskutiert wurden. Solche institutionellen Puffer können Eskalationen verlangsamen und Rechtsbindung stützen.
🗳️ Hoffnungsstrang zwei Öffentliche Selbstkorrektur Zweitens setzt Rohrer auf die Selbstkorrektur demokratischer Öffentlichkeit. Prominente Unterstützer, die Irrtümer eingestehen, ermöglichen den Rückzug aus totaler Lagerloyalität. Ob Stimmen wie jene von Marjorie Taylor Greene oder die Distanzierung einzelner Kapitolstürmer Trendwenden markieren, bleibt offen. Für Rohrer sind es Indizien, dass individuelle Verantwortung eine dynamische Radikalisierung brechen kann.
📌 Konservative Quintessenz Rohrers Fazit ist unbequem, aber notwendig: Wer Sicherheit, Souveränität und Rechtsstaatlichkeit erhalten will, darf das „Unvorstellbare“ nicht wegdefinieren, sondern muss es antizipieren, institutionell, politisch und geistig. Europas Verkleinerung realer Gefahren hat außenpolitische Kosten erzeugt; Amerikas innere Polarisierung gefährdet den Kern westlicher Ordnung. Gegenmittel sind keine großen Worte, sondern nüchterne Praxis mit klaren Maßstäben.
- Klare rote Linien, die tatsächlich gelten.
- Verlässliche Sicherheitsarchitektur mit belastbaren Sicherungen.
- Politische Wahrhaftigkeit statt Beschwichtigung.
- Bereitschaft, aus Geschichte zu lernen, bevor sie sich banal wiederholt.
🗨️ Kommentar der Redaktion
🧷 Rohrers Warnung ist berechtigt und überfällig: Beschwichtigung ist keine Strategie, sondern ein Einfallstor für Regelbruch. Freiheit und Ordnung verlangen Grenzen, die definiert und durchgesetzt werden. Sowohl in den USA als auch in Europa braucht es belastbare Sicherungen gegen Selbstermächtigung und politische Willkür. Worte reichen nicht; ausschlaggebend sind klare Kompetenzen, klare Ketten der Verantwortung und die Bereitschaft, sie konsequent anzuwenden. Wer Normbrüche relativiert, gefährdet am Ende die Schwächsten und verliert den Respekt vor Recht und Staat.


