📰 Schließung des Erfurter Logistikzentrums Zalando zieht einen tiefgreifenden Schlussstrich in Ostdeutschland: Der DAX-Konzern schließt sein Logistikzentrum in Erfurt bis Ende September 2026. Von der Maßnahme sind rund 2.700 Beschäftigte betroffen. Das Unternehmen informierte die Belegschaft am 8. Januar 2026 und kündigte parallel Gespräche mit dem Betriebsrat über Interessenausgleich und Sozialplan an. Für die regionale Wirtschaft ist dies ein spürbarer Einschnitt.
🏭 Einzigartiger Standort mit Symbolkraft Der Standort wurde 2012 eröffnet und gilt als einziges Zalando-Logistikzentrum dieser Größenordnung in Ostdeutschland. Seine Schließung markiert das Ende eines bedeutenden Standorts für die Region und das Logistiknetz des Unternehmens.
🧩 Neuordnung des gesamteuropäischen Netzwerks Die Schließung ist Teil einer Neuordnung nach der Übernahme des Konkurrenten About You im Jahr 2025; Ziel ist die Beseitigung von Doppelstrukturen. Nach dem Umbau sollen 14 Logistikzentren in sieben Ländern verbleiben.
🚚 Perspektiven an anderen Standorten In Deutschland führt Zalando große Standorte in Mönchengladbach, Lahr und perspektivisch Gießen; ein Teil der Beschäftigten könnte dorthin wechseln. Die Erfurter Betreibergesellschaft stellt den Betrieb zum Jahresende ein, bis dahin läuft der Alltag weiter.
🧭 Information und Unterstützung für Beschäftigte Nach Unternehmensangaben werden die Beschäftigten schrittweise über die nächsten Schritte informiert. Co-CEO David Schröder signalisierte finanzielle Unterstützung und verwies auf den im Aufbau befindlichen Standort Gießen als mögliche Perspektive.
🪧 Kritik der Gewerkschaft Die Gewerkschaft Verdi reagierte scharf und sprach von einem „perfiden Vorgehen“. Sie erinnert an Streiks im Dezember und wirft dem Konzern vor, Pläne zur Schließung vor dem Weihnachtsgeschäft nicht transparent gemacht zu haben.
📉 Betriebswirtschaftliche Einordnung Der Schritt ist betriebswirtschaftlich nachvollziehbar, aber sozial und regional schmerzhaft. Er zeigt, wie konsequent große Plattformen ihre Strukturen auf Effizienz trimmen, selbst um den Preis eines Traditionsstandorts im Osten.
🛡️ Erfordernisse für Planungssicherheit Politik und Unternehmen sind nun gefordert, rasch Planungssicherheit zu schaffen: mit einem substanziellen Sozialpaket, gezielter Qualifizierung und konkreten Angeboten zur Weiterbeschäftigung. Nur so lässt sich verhindern, dass aus einem harten, aber strategischen Schnitt ein dauerhafter Schaden für Arbeitsmarkt und Vertrauen in die wirtschaftliche Erneuerung Ostdeutschlands wird.
🗨️ Kommentar der Redaktion Diese Entscheidung ist nüchtern betrachtet folgerichtig, weil Doppelstrukturen nach einer Übernahme Kosten treiben. Doch wer 2.700 Menschen betrifft, muss Verlässlichkeit und Disziplin im Prozess garantieren. Transparente Kommunikation, zügige Verhandlungen mit dem Betriebsrat und ein robustes, messbares Sozialpaket sind jetzt Pflicht, nicht Kür. Symbolpolitik und Empörung lösen kein einziges Problem; entscheidend ist die geordnete Weiterbeschäftigung möglichst vieler Betroffener, bevorzugt an den benannten Standorten. Wer Verantwortung trägt, muss sie jetzt ohne Zögern wahrnehmen.


