🔄 Strategiewechsel: Porsche vollzieht nach hohen Sonderlasten und einem tiefroten Quartal eine spürbare Kurskorrektur. Die Elektro-Offensive wird zurückgefahren, Projekte werden neu geordnet. Ziel ist nicht der Ausstieg aus der Elektromobilität, sondern eine konservativere, renditeorientierte Ausrichtung unter veränderten außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
💸 Ergebnislage im dritten Quartal: Im dritten Quartal 2025 verzeichnete Porsche einen operativen Verlust von 966 Millionen Euro – die erste negative Quartalszahl seit dem Börsengang 2022. Belastungsfaktoren waren insbesondere die Rolle rückwärts bei Teilen der E-Planung, der Stopp der eigenständigen Batterieproduktion sowie die schwache Nachfrage in China. Zusätzlich drücken US-Importzölle, die das Jahr 2025 mit rund 700 Millionen Euro belasten. Für 2025 bestätigt der Konzern lediglich eine Rendite am oberen Ende von bis zu 2 Prozent und erwartet erst ab 2026 wieder deutlich bessere Margen.
🧭 Produkt- und Technologieanpassungen: Porsche verschiebt oder streicht einzelne E-Modelle, stärkt Verbrenner- und Hybridvarianten und beendet die eigenständige Hochleistungsbatterie-Fertigung. Insgesamt kalkuliert das Unternehmen für 2025 mit einem Ergebniseffekt von rund 3,1 Milliarden Euro aus Strategieüberarbeitung und Restrukturierung. Die Maßnahmen sollen die Kapitalrendite stabilisieren und die Palette enger an reale Kundennachfrage anpassen.
- Verschiebung oder Streichung einzelner E-Modelle
- Stärkung von Verbrenner- und Hybridvarianten
- Beendigung der eigenständigen Hochleistungsbatterie-Fertigung
- Ergebniseffekt 2025: rund 3,1 Milliarden Euro
- Ausrichtung auf Nachfrage und Profitabilität
👥 Kosten und Personal: Neben den bereits angekündigten 1.900 Stellen, die bis Ende des Jahrzehnts sozialverträglich entfallen sollen, hat Porsche im laufenden Jahr zusätzlich rund 2.000 befristete Arbeitsverhältnisse auslaufen lassen. Weitere Sparpakete werden geprüft, vorrangig über Vergütungs- und Nebenleistungsstrukturen statt über zusätzliche Kündigungen. Die Dividende für 2025 soll spürbar unter dem Vorjahresniveau liegen.
🌍 Externe Belastungen: Der Zollschub in den USA wird in den kommenden Monaten teilweise über Preisanpassungen an Kunden weitergegeben. In China rechnet das Management angesichts anhaltenden Preiswettbewerbs und einer ausgeprägten Marktschwäche mit weiterem Druck. Die Entwicklungen verdeutlichen, wie stark politische Eingriffe und eine veränderte Nachfragekurve die ambitionierten E-Pläne der Branche auf betriebswirtschaftliche Vernunft zurückführen.
👔 Führung und Perspektive: Zum 1. Januar 2026 steht ein Führungswechsel an: Michael Leiters übernimmt den Vorstandsvorsitz von Oliver Blume. Die Botschaft an den Kapitalmarkt lautet Kontinuität in der Neuausrichtung, konsequenter Fokus auf Profitabilität und Disziplin bei Investitionen.
📊 Ausblick und Fazit: Porsche zieht sich nicht aus der Elektromobilität zurück, sondern aus überzogenen Erwartungen. Die Stuttgarter setzen auf ein konservativeres, cashflow-orientiertes Vorgehen: weniger Wetten auf ferne Zukunftsszenarien, mehr Steuerung über regulatorische Risiken, Preisdisziplin und einen ertragsstarken Modellmix. Für eine Marke, deren Wert auf Ertrag, Exklusivität und technischer Exzellenz beruht, ist die Korrektur folgerichtig. Elektrifizierung bleibt Teil der Zukunft, muss sich im Luxussegment jedoch an Zahlungsbereitschaft, globalen Handelsbedingungen und robusten Renditezielen messen lassen. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob die Balance zwischen Innovationsdruck und kaufmännischer Vernunft gelingt.
🗨️ Kommentar der Redaktion: Die Kurskorrektur ist überfällig und setzt ein klares Signal: Rendite vor Reichweite. Wer im Luxussegment bestehen will, steuert nach Nachfrage und Marge, nicht nach Wunschdenken. Eine Zielrendite im niedrigen einstelligen Bereich ist ein Stresstest, aber auch ein realistischer Kompass. Kosten- und Investitionsdisziplin sind jetzt wichtiger als symbolische E-Projekte. Regulatorische Risiken gehören eingepreist, nicht verklärt. Porsche tut gut daran, die Elektromobilität der betriebswirtschaftlichen Vernunft unterzuordnen.


