📉 Lausitz vor Fachkräfteklippe: Demografie, Pendeln und Lohngefälle verschärfen Engpass

📉 Akute Lücke in der Lausitz In der Lausitz öffnet sich eine Fachkräftelücke von rund 30.000 Personen, wie eine aktuelle IAB-Auswertung nahelegt und die Sächsische Zeitung aufbereitet. Aus einem seit Jahren diskutierten Risiko wird damit ein akutes Standortthema für die Landkreise Görlitz und Bautzen sowie die südbrandenburgischen Lausitz-Kreise.

👵 Demografischer Druck Bereits heute sind rund 56.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Region 60 Jahre oder älter und werden in den kommenden Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden – vielfach ohne ausreichenden Ersatz. Kommunen reagieren, etwa Zittau mit der Rückkehrer-Initiative „Zittau. Dein Platz zum Bleiben“, die abgewanderte Fachkräfte gezielt anspricht.

🚉 Negative Pendlerbilanz Die regionale Bilanz der Pendlerströme fällt deutlich negativ aus: 102.000 Beschäftigte verlassen täglich die Lausitz, nur 77.000 pendeln ein – ein Minus von fast 25.000 Arbeitskräften für die heimischen Betriebe.

💶 Lohngefälle als Haupttreiber Zentrale Ursache ist das Lohngefälle: Der Gehaltsunterschied zwischen Arbeit am Wohnort und außerhalb kann bis zu 850 Euro monatlich betragen, in einzelnen Funktionen wie Einkauf oder Vertrieb sogar bis zu 1.700 Euro. Entsprechend steigt mit höherer Qualifikation die Auspendelquote.

Begrenzte kurzfristige Hebel Arbeitsmarktforscher halten eine schnelle Trendumkehr für begrenzt: Realistisch lassen sich nur etwa zehn Prozent der Auspendler zurückgewinnen, vor allem jene mit langen Wegen und geringerer Entgeltdifferenz.

🧭 Empfohlene Gegenstrategien Empfohlen werden eine entschlossene Zuwanderungsstrategie, auch grenzüberschreitend mit Polen und Tschechien, Investitionen in Infrastruktur sowie eine breitere Nutzung von Homeoffice, um die Standortattraktivität zu erhöhen.

🧩 Fazit und Prioritäten Die Region steht an einer Fachkräfteklippe – nicht wegen fehlender Jobs, sondern wegen fehlender Menschen. Gefordert ist ein nüchterner Kurs mit drei Schwerpunkten: erstens Lohn- und Leistungspolitik der Unternehmen, um qualifizierte Beschäftigte zu halten und zurückzuholen; zweitens Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung sowie weniger Bürokratie, damit Investitionen schneller in Beschäftigung münden; drittens eine klare, bedarfsorientierte Berufsbildung und gesteuerte Zuwanderung entlang der tatsächlichen Qualifikationslücken. Wettbewerbsfähigkeit sollte vor Symbolpolitik stehen – mit marktnahen Anreizen, verlässlicher Infrastruktur und vertraglich klar geregelter Zuwanderung in Engpassberufe.

🗨️ Kommentar der Redaktion Die Zahlen sind ein Weckruf: Ohne entschlossenes Handeln droht der Lausitz eine strukturelle Schwächung durch schlichte Personalknappheit. Wer Fachkräfte halten will, muss Leistung honorieren und bürokratische Hürden abräumen, statt neue Symbolprojekte aufzusetzen. Berufsbildung und Zuwanderung gehören strikt an den Bedarf gekoppelt, mit klaren Regeln und Fokus auf Engpassberufe. Homeoffice und bessere Infrastruktur sind Mittel zum Zweck, aber sie ersetzen nicht eine wettbewerbsfähige Lohn- und Standortpolitik. Die Region braucht jetzt Pragmatismus und Verlässlichkeit – nicht Debatten, sondern Umsetzung.

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