DAS NEUSTE

🇭🇺 Orbán setzt auf Verbleib – und auf den Zerfall der EU

🇭🇺 Signal aus Budapest Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hat bei seiner ersten Pressekonferenz des Jahres betont, dass Budapest die Europäische Union nicht verlassen werde, zugleich aber prognostiziert, die Gemeinschaft werde ohne grundlegende Reformen von selbst auseinanderdriften. Als Ursachen nannte er Führungschaos in Brüssel, mangelnde Umstrukturierungsbereitschaft und den Anspruch nationaler Souveränität in einer von ihm ausgerufenen „Ära der Nationen“. Ungarn wolle innerhalb von EU und NATO eigenständig handeln.

🧩 Konfliktlinien im Überblick Brüssel und Budapest liegen seit Jahren über Kreuz, besonders bei Migration, Russland‑Sanktionen, Ukraine‑Hilfen und der Frage nach der Machtverteilung zwischen nationalen Hauptstädten und EU‑Institutionen. Orbán positioniert sich als Gegenpol zu föderalistischen Konzepten, setzt auf harte Abgrenzung in der Migrationsfrage und auf energiepolitische Autonomie; diese Linien prägten auch seine jüngsten Ausführungen.

🇪🇺 Kein Hunxit Ein Austritt nach britischem Vorbild sei für Ungarn nicht vernünftig, nicht zuletzt, weil das Land weder Größe noch nukleare Abschreckung habe. Orbán kalkuliert stattdessen mit einer schrittweisen Desintegration der EU, die nur durch eine tiefgreifende Neuordnung aufzuhalten wäre. Da diese ausbleibe, wolle Budapest seine Handlungsfreiheit innerhalb der bestehenden Strukturen maximieren.

🛡️ Souveränität als Leitmotiv Orbán kündigte an, die Außen‑ und Wirtschaftspolitik weiterhin strikt national auszurichten und die bestmöglichen Beziehungen zu allen Machtzentren zu pflegen, darunter die USA, Russland, China sowie die arabische und die türkische Welt. Nur eine souveräne Mitgliedschaft erlaube aus seiner Sicht vernünftige Politik in Brüssel.

💶 Ukraine‑Finanzierung Budapest werde kein Geld und keine Kredite an Kiew geben. Die Regierung verweist auf die Priorität eigener Entwicklungsziele und auf Zweifel an der Rückzahlungsfähigkeit der Ukraine. Damit bleibt Ungarn bei dem Kurs, gemeinsame EU‑Finanzierungspläne zu blockieren oder zu verwässern.

🛢️ Energiepolitik Orbán lehnt Versuche ab, Ungarn von russischem Öl und Gas abzuschneiden, und verweist auf anhängige Klagen gegen entsprechende EU‑Beschlüsse. Er setzt auf nationale Infrastruktur, die Versorgungssicherheit und günstige Preise garantieren soll, in der Erwartung, dass mit einem Ende des Krieges auch Sanktionen fallen könnten.

🚧 Migration Eine verpflichtende Aufnahme und Verteilung von Schutzsuchenden weist Budapest zurück. Orbán sprach von einem als absurd empfundenen finanziellen Druck und wiederholte, Brüssel könne Ungarn nicht vorschreiben, mit wem das Land zusammenlebe.

🌎 US‑Politik und Schutzschild Als Zeichen der neuen Welt lobte Orbán die jüngste US‑Intervention in Venezuela und stellte trotz eines Dementis aus Washington einen in Arbeit befindlichen finanziellen Schutzschild in Aussicht. Eine Lehre der letzten Jahre sei, dass sich Budapest nicht auf Brüssel verlassen könne.

🎯 Strategische Doppelspur Orbán präsentiert eine Doppelstrategie: Er bleibt im Binnenmarkt und in der NATO verankert, baut politisch auf nationale Souveränität, günstige Energie und Migrationskontrolle und setzt darauf, dass die EU ohne Kurskorrektur von innen heraus erodiert. Für konservative Beobachter ist dies weniger ein Ruf nach Abbruch als eine riskante Wette: Kann Budapest seinen Handlungsspielraum innerhalb der EU verteidigen, während es deren Integrationslogik herausfordert, und gelingt der Union der Spagat zwischen nationaler Selbstbestimmung und gemeinsamem Regelwerk überzeugender als bisher?

🗨️ Kommentar der Redaktion Orbán beschreibt Probleme, die Brüssel zu lange ignoriert hat: Führungsdefizite, Reformträgheit und ein Übergriff auf nationale Zuständigkeiten. Wer Europas Zusammenhalt sichern will, muss Souveränität respektieren statt sie durch Quoten und gemeinsame Schulden zu unterminieren. Ungarns Kurs stellt Interessen und Versorgungssicherheit vor Ideologie und ist damit folgerichtig. Die EU steht vor der Wahl, sich durch echte Neuordnung zu erneuern oder weiter Vertrauen zu verspielen. Reformen sind überfällig, sonst wird die von Orbán skizzierte Erosion mehr Prognose als Provokation.

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