📰 Einordnung Debatten über „aussterbende Berufe“ gewinnen an Fahrt. Zwischen Schlagwort und Realität liegt jedoch eine Grauzone: Selten verschwindet ein Beruf vollständig, häufiger verschieben sich Aufgabenprofile oder die Zahl der Beschäftigten sinkt deutlich. Technologischer Fortschritt, Kostendruck und verändertes Kundenverhalten beschleunigen diese Entwicklung – mit teils schmerzhaften Anpassungen für klassische Tätigkeiten, aber auch mit Chancen in neuen Feldern.
🌐 Globale Trends bis 2030 Internationale Unternehmensbefragungen deuten auf markante Verschiebungen hin. Laut dem Future of Jobs Report 2025 des Weltwirtschaftsforums prägen breiter digitaler Zugang und neue Technologien die Arbeitsmärkte; 86 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit entsprechenden Umbrüchen. Der Report veranschlagt netto Millionen neu geschaffener wie ersetzter Stellen durch Digitalisierung und Automatisierung und erwartet, dass knapp vier von zehn Kernkompetenzen der Beschäftigten bis 2030 wechseln. Für Arbeitnehmer wird kontinuierliche Weiterbildung zur Überlebensfrage.
🛒 Verwaltung und Kasse unter Druck Am stärksten betroffen sind einfache Büro- und Kassentätigkeiten. Firmen rechnen mit einem deutlichen Rückgang bei Kassierern und Ticketverkauf, Datenerfassung sowie Assistenzfunktionen. Der Trend zu Self‑Service, Online‑Zahlung und Prozessautomatisierung nimmt dem klassischen Schalter- und Kassenpersonal Beschäftigungsspielraum. Ein vollständiges Verschwinden ist nicht zwingend, die Zahl der Stellen dürfte jedoch spürbar sinken.
🖨️ Druck und Vordruck im Rückzug Druckereiberufe und verwandte Tätigkeiten verlieren weiter an Boden. Die Verlagerung ins Digitale, effizientere Maschinen und sinkende Auflagen reduzieren den Personalbedarf. Betriebe, die bleiben, benötigen weniger Mitarbeiter und mehr Technikkompetenz.
📊 Automatisierung im Rechnungswesen Auch in Buchhaltung sowie Teilen von Audit und Accounting wächst der Automatisierungsdruck. Standardisierte Routinen erledigt Software schneller und fehlerärmer; gefragt bleiben Aufsicht, Interpretation und Schnittstellenkompetenz.
🔧 Neue Felder, ungleiche Kompensation Technologische Treiber bringen zugleich neue Berufe hervor, etwa in Datenanalyse, Sicherheit sowie Energie- und Antriebstechnik. Die Kompensation erfolgt jedoch ungleich; für Betroffene in schrumpfenden Tätigkeiten sind Übergänge ohne gezielte Qualifizierung schwierig.
- Datenanalyse
- Sicherheit
- Energie- und Antriebstechnik
🎓 Weiterbildung als Schlüssel Wer technologisch anschlussfähig bleibt, verbessert seine Chancen. Kontinuierliche Weiterbildung und gezielte Qualifizierung entscheiden darüber, ob Beschäftigte in veränderten Rollen Fuß fassen.
🏛️ Aufgaben für Unternehmen und Politik Unternehmen und Politik sollten Weiterbildung planbar finanzieren, Übergänge erleichtern und zugleich technologieoffen regulieren. So lassen sich Strukturwandel ordnungspolitisch begleiten und Beschäftigten realistische Perspektiven eröffnen.
📌 Fazit ohne Alarmismus Die Zuspitzung „Diese Jobs gibt es in zehn Jahren nicht mehr“ greift zu kurz. Richtig ist: In klassischen Verwaltungs‑, Kassen‑ und Druckbereichen wird es bis 2036 vermutlich deutlich weniger Stellen geben. Genauso richtig ist: Märkte passen sich an, Berufsbilder wandeln sich, und neue Tätigkeiten entstehen. Nüchterne Analyse statt Alarmismus hilft, den Strukturwandel ordnungspolitisch zu begleiten und Beschäftigten eine realistische Perspektive zu eröffnen.
🗨️ Kommentar der Redaktion Der Strukturwandel ist Realität, doch Panik ersetzt keine Politik. Weiterbildung muss verlässlich finanziert werden, aber zielgerichtet statt mit Streuschuss-Programmen. Unternehmen wie Beschäftigte tragen Verantwortung, technologisch anschlussfähig zu bleiben. Technologieoffene Regulierung und weniger Symboldebatten beschleunigen die notwendige Anpassung. Wer Prioritäten nüchtern setzt, schützt Wettbewerbsfähigkeit und schafft Chancen für jene, deren Tätigkeiten schrumpfen.


