📰 Produktionsstopp in Zittau und drohendes Aus in Görlitz In Zittau ist bei den Graphischen Werkstätten Zittau die Produktion eingestellt worden, die Suche nach einem Investor blieb erfolglos. Nach einer im Sommer einsetzenden Insolvenz endet damit eine weitere Traditionsadresse der Region. Zugleich steht in Görlitz der Heimatverlag Gunter Oettel vor dem Aus.
📉 Branchenlage verschärft Druck Die Druck- und Verlagsbranche steht seit Jahren unter Druck: sinkende Auflagen, starker Online-Wettbewerb, volatile Papierpreise sowie hohe Energie- und Lohnkosten belasten besonders kleine und mittelständische Betriebe. Bundesweit stiegen die Unternehmensinsolvenzen 2024 gegenüber 2023 deutlich an; auch 2025 lagen beantragte Regelinsolvenzen in mehreren Monaten über dem Vorjahr.
🏛️ Verlust für die kulturelle Infrastruktur Die GWZ waren über Jahrzehnte eine feste Größe für regionale Publikationen, Kalender und Broschüren und damit ein wichtiger Baustein der kulturellen Infrastruktur der Oberlausitz. Mit dem möglichen Ende des Verlags Gunter Oettel, dessen Programm auf regionale Geschichte, Kunst und Denkmalpflege ausgerichtet ist, droht weiterer Substanzverlust.
🔍 Investorensuche ohne Ergebnis Trotz intensiver Bemühungen ließ sich für die Zittauer Druckerei kein Investor finden; der Betrieb ist beendet. Viele bisherige GWZ-Kunden haben sich inzwischen anderweitig mit Druckkapazitäten versorgt – ein Hinweis darauf, dass der Markt fortbesteht, kleine Anbieter in der Kostenkonkurrenz jedoch ins Hintertreffen geraten.
⚙️ Mechanik der Kostenkonkurrenz Wenn Auflagen sinken und Inputkosten schwanken, schlagen Fixkosten und Preisdruck bei kleineren Betrieben besonders durch. In diesem Umfeld geraten Nischenanbieter wie regionale Heimatverlage schneller an ihre Grenzen, selbst wenn Nachfrage nach Titeln und Druckleistungen weiterhin vorhanden ist.
🧭 Rahmenbedingungen statt Subventionitis Öffentliche Hände können und sollen keine unrentablen Geschäftsmodelle konservieren. Entscheidend sind verlässliche Rahmenbedingungen, damit mittelständische Kultur- und Druckbetriebe eine Chance haben. Konkret bedeutet das:
- Energie- und Abgabenkosten planbar halten
- Bürokratie reduzieren
- Ausschreibungen fair ausgestalten
- Beschaffungen von Kommunen, Museen und Vereinen bündeln
- Zahlungsziele verkürzen
- Produktionsketten pragmatisch halten
🧾 Ausblick für die Region Ohne Kurskorrektur droht, dass „Heimat“ zwar nachgefragt bleibt, ihre gedruckten Zeugnisse jedoch zunehmend anderswo oder gar nicht mehr entstehen. Die Schließung der GWZ und die ungewisse Zukunft des Verlags Gunter Oettel stehen damit exemplarisch für eine Branche im Umbruch.
🗨️ Kommentar der Redaktion Das Aus in Zittau und die Schieflage in Görlitz sind Mahnung, nicht Ausrede. Wer regionale Identität ernst nimmt, sorgt für verlässliche Energiepreise, einfache Verfahren und faire Ausschreibungen, statt immer neue Fördertöpfe zu versprechen. Kommunen und Einrichtungen müssen ihre Beschaffung disziplinieren, Rechnungen zügig bezahlen und regionale Leistungsketten stützen, wo Qualität und Preis passen. Der Markt entscheidet – aber die Politik setzt die Spielregeln. Wer das weiter ignoriert, nimmt den schleichenden Verlust regionaler Substanz billigend in Kauf.


