📰 Neues Maßnahmenbündel und ehrgeiziges Ziel Sachsen will den Abbau überbordender Vorschriften beschleunigen, doch der Fortschritt bleibt überschaubar. Die Staatsregierung kündigt ein neues Maßnahmenbündel an, inklusive weiterer Reformkommission und einem Einsparziel von 670 Millionen Euro an Bürokratielasten. Zugleich mehren sich skeptische Stimmen, ob dieses Ziel in absehbarer Zeit realistisch erreichbar ist.
🏛️ Staatsmodernisierung als Leitbild Die Koalition in Dresden setzt seit 2025 auf Staatsmodernisierung. Im Sommer 2025 beschloss das Kabinett ein Paket zur Bürokratieentlastung, flankiert von einer Organisationsuntersuchung des öffentlichen Dienstes und einer Reformkommission zur Stärkung der Kommunen. Ziel ist es, Regeln zu vereinfachen, Verfahren zu verschlanken und die Verwaltung digitaler sowie effizienter zu machen. Der Freistaat will auf sächsische Sonderwege bei der Umsetzung von EU-Recht verzichten, Schriftformerfordernisse überprüfen und die Zahl der Bewilligungsstellen deutlich reduzieren.
✂️ Konkreter Schritt bei Gesetzesredaktion Bereits im März 2025 schaffte der Freistaat landeseigene Sonderregeln zur Gendersprache in Gesetzestexten ab. Seither gelten bei der Erarbeitung von Normen wieder ausschließlich bundesweite Standards. Die Staatsregierung begründet dies mit Zeit- und Ressourcengewinnen in der Praxis; zudem sollen Bundes- und EU-Recht künftig ohne zusätzliche sächsische Zusätze übernommen werden.
🎯 670-Millionen-Entlastung und neue Reformkommission Kern der neuen Ankündigungen ist ein Entlastungsziel in Höhe von 670 Millionen Euro für Bürger, Unternehmen und Kommunen. Neben bereits laufenden Projekten setzt die Regierung auf eine weitere Reformkommission, die Vorschläge bündeln und die Umsetzungsfähigkeit priorisieren soll. Kritiker bezweifeln, dass damit kurzfristig spürbare Verbesserungen erreicht werden, da Ankündigungen in der Vergangenheit nicht immer in gleichwertige Praxiserleichterungen gemündet seien.
🛠️ Strukturmaßnahmen als entscheidende Hebel Parallel bleiben die bereits beschlossenen Strukturmaßnahmen zentral: die angekündigte Reduktion von Bewilligungsstellen, die konsequente Prüfung von Schriftformerfordernissen, die frühzeitige Einbindung Betroffener in Gesetzgebungsverfahren sowie eine interne Organisationsanalyse, die Aufgaben, Prozesse und Standards des öffentlichen Dienstes anpasst. Der Fortschritt soll sich an Einsparungen bei Personalausgaben und effizienteren Abläufen messen lassen. Diese Weichenstellungen entfalten jedoch nur Wirkung, wenn sie zügig umgesetzt und in der Fläche spürbar werden.
🔎 Kernpunkte auf einen Blick
- Verzicht auf sächsische Sonderwege bei der Umsetzung von EU-Recht
- Prüfung und Vereinfachung von Schriftformerfordernissen
- Deutliche Reduktion der Zahl der Bewilligungsstellen
- Bündelung von Vorschlägen in einer Reformkommission mit Fokus auf Umsetzbarkeit
- Interne Organisationsanalyse zur Effizienzsteigerung im öffentlichen Dienst
⏱️ Umsetzungstempo und Steuerung Ankündigungen und Kommissionen ersetzen keine konkreten Fristen, keine verbindlichen Kennzahlen und keine stringente Umsetzung in den Behörden. Spürbare Entlastung entsteht erst, wenn Verfahren radikal vereinfacht, Doppelzuständigkeiten abgebaut und digitale Standards verbindlich gemacht werden – vorzugsweise ohne neue Sonderwege.
📏 Woran sich Erfolg messen muss Erst wenn Genehmigungszeiten sinken, Formvorschriften fallen und die Verwaltung verlässlich schneller wird, wird aus dem konservativ sinnvollen Anspruch auf weniger Bürokratie gelebte Realität. Bis dahin bleibt der eingeschlagene Kurs richtig, doch das Tempo ist zu gering, um kurzfristig spürbare Verbesserungen zu erreichen.
🗨️ Kommentar der Redaktion Die Richtung stimmt, weil auf Sonderwege verzichtet und auf klare Standards gesetzt wird. Doch ohne feste Fristen und überprüfbare Kennzahlen bleibt das 670-Millionen-Versprechen eine Überschrift. Kommissionen dürfen kein Ersatz für Führung sein; jetzt zählt die behördliche Umsetzung mit Pflicht und Disziplin. Verfahren müssen vereinfacht, Doppelzuständigkeiten beendet und digitale Standards ohne Ausnahmen durchgesetzt werden. Wer Vertrauen zurückgewinnen will, liefert messbare Entlastungen bei Genehmigungszeiten und Formvorschriften.


