DAS NEUSTE

🏭 Aufrüstung treibt Kassels Wirtschaft – Forscher mahnt zu Maß und Mitte

📰 Überblick. In Kassel wird die Rüstungswirtschaft zum spürbaren Wachstumstreiber: Rheinmetall und KNDS investieren, stellen ein und bedienen prall gefüllte Auftragsbücher. Der Friedensforscher Hans‑Joachim Schmidt rechnet in einem am 4. Januar 2026 veröffentlichten Interview mit einem Rüstungsboom von zehn bis fünfzehn Jahren – warnt zugleich vor gesellschaftlicher Polarisierung nach US‑Vorbild.

🛡️ Sicherheitslage und Zeitenwende. Europas Sicherheitslage nach Russlands Angriff auf die Ukraine, das Auslaufen zentraler Rüstungskontrollabkommen und Zweifel an der Verlässlichkeit des US‑Schutzschirms erhöhen den Druck auf europäische Eigenfähigkeit. Abschreckung sei derzeit nötig, so Schmidt; langfristig müsse wieder an kooperative Sicherheitsstrukturen gearbeitet werden.

🏭 Industrieprofil in Kassel. Rheinmetall betreibt in Kassel nach Unternehmensangaben das größte Panzerwerk Europas; perspektivisch könnte der Konzern in der Stadt mehr Beschäftigte haben als Daimler Truck – mit spürbaren Effekten für den lokalen Arbeitsmarkt. Zugleich bleibt die Branche laut Schmidt gesamtwirtschaftlich begrenzt: historisch zwei bis drei Prozent des BIP – und wohl auch künftig nicht deutlich mehr.

🔒 Sicherheit und Lieferketten. KNDS und Rheinmetall liefern aus Kassel unter anderem Munition und Systeme; Details bleiben aus Sicherheitsgründen unter Verschluss. Abschreckung soll Angriffe verhindern; dennoch bleibt ein Restrisiko, dass Rüstungsstandorte im Konfliktfall Ziele werden könnten.

👷 Arbeit und Strukturwandel. Der Umbruch in der Automobilindustrie wird nach Einschätzung Schmidts Arbeitsplätze kosten; die Rüstung kann nur begrenzt auffangen. Kassel sollte daher parallel in zivile Wertschöpfung und Start‑ups investieren, um Abhängigkeiten zu vermeiden.

🏛️ Politischer Diskurs. Schmidt mahnt einen nüchternen Umgang mit Aufrüstung, Wehrpflicht und Industrieinteressen an. Polarisierung schwächt die Fähigkeit zur strategischen Prioritätensetzung – daher gilt es, den Streit sachlich zu führen und Extreme zu vermeiden.

📈 Fazit und Prioritäten. Kassel erlebt einen realen Rüstungsauftrieb – ökonomisch nützlich, sicherheitspolitisch begründet, gesellschaftlich sensibel. Konservativ gedacht heißt das, klare Schwerpunkte zu setzen und Maß zu halten.

  • Prioritäten klar setzen: Fähigkeiten, Bündnisfähigkeit, Verlässlichkeit.
  • Abhängigkeiten begrenzen: breite industrielle Basis statt Monokultur.
  • Den Diskurs diszipliniert und sachlich führen.

🗨️ Kommentar der Redaktion. Abschreckung und europäische Eigenfähigkeit sind derzeit staatliche Pflicht, nicht Kür; Kassel muss liefern. Wer Aufrüstung pauschal skandalisiert, untergräbt Sicherheit und Handlungsfähigkeit. Zugleich gilt: Ohne breite zivile Wertschöpfung drohen Abhängigkeiten und politischer Druck, daher keine Monokultur. Politik und Industrie haben Prioritäten zu setzen und Verlässlichkeit zu beweisen, statt sich in Symboldebatten zu verlieren. Wachstum ja – aber nur mit Maß, Mitte und disziplinierter Führung.

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