π§ Neue Sicherheitsallianzen aus ΓΆkonomischer NΓΌchternheit: Auf dem Westbalkan entstehen neue BΓΌndnisse, die weniger ideologisch als vielmehr von wirtschaftlichen KalkΓΌlen getragen sind. Sichtbar wird dies an der AnnΓ€herung zwischen Ungarn und Serbien, wΓ€hrend Kroatien, Albanien und das Kosovo ihre Kooperation mit westlichen Partnern vertiefen. Der militΓ€rische Schulterschluss ist Ausdruck wachsender WohlstandsgefΓ€lle und politischer EnttΓ€uschungen β und stellt die EuropΓ€ische Union vor eine strategische BewΓ€hrungsprobe.
π§© Hintergrund: Europas Anziehungskraft erodiert: Die EU bleibt wichtigster Handelspartner der Region, doch hohe Jugendarbeitslosigkeit, Abwanderung und asymmetrische AbhΓ€ngigkeiten schmΓ€lern ihre AttraktivitΓ€t. Zugleich wirken historische und wirtschaftliche Verbindungen nach Russland, in die TΓΌrkei und β ΓΌber die Belt-and-Road-Initiative β nach China fort. Politisch zerfasert die europΓ€ische Geschlossenheit: WΓ€hrend BrΓΌssel 2024 Sanktionen gegen das Kosovo zurΓΌcknimmt, blockiert Budapest symbolische EU-ErklΓ€rungen zur Erweiterung. Das Bild einer einheitlichen Linie trΓ€gt nicht mehr.
ππ· Kroatien: Stabilisierung durch Integration: Seit dem EU-Beitritt 2013 hat Kroatien seinen RΓΌckstand beim Pro-Kopf-Einkommen spΓΌrbar verringert, die Arbeitslosigkeit deutlich gesenkt und von EU-Mitteln, Exporten sowie Schengen- und Euro-Integration profitiert. Trotz demografischer SchwΓ€chen wirkt der materielle Fortschritt stabilisierend β ein relativer Gewinner unter den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien.
π·πΈ Serbien: Kalkulierte Offenheit nach Osten: Serbien verharrt in einem ΓΆkonomischen Zwischenraum mit niedrigeren Einkommen und hΓ€lt β ebenso wie die bosnisch-serbische EntitΓ€t Republika Srpska β politische und wirtschaftliche KanΓ€le nach Moskau offen. Dies folgt keiner romantischen LoyalitΓ€t, sondern nΓΌchterner Kalkulation: EnergieabhΓ€ngigkeiten, Kreditlinien und alternative AbsatzmΓ€rkte sind gewichtige Argumente.
ππΊ Ungarn: Autonomieagenda innerhalb der EU: In Budapest verdichtet sich eine Strategie der eigenstΓ€ndigen Positionierung. Ungarn bleibt EU-Mitglied, wahrt aber energie- und industriepolitische SpielrΓ€ume Richtung Russland und nutzt Konflikte um Rechtsstaatlichkeit sowie eingefrorene EU-Gelder fΓΌr eine autonome Linie. FΓΌr BrΓΌssel ist das mehr als StΓΆrfeuer: Es verstΓ€rkt den Eindruck fehlender wirtschaftlicher Garantien bei zugleich wachsenden sicherheitspolitischen Erwartungen.
πͺ MilitΓ€rische Signale: Westanbindung setzt Fakten: Albanien, Kroatien und das Kosovo vereinbaren eine engere Verteidigungskooperation. Parallel bauen die USA ihre PrΓ€senz im Kosovo und in Albanien aus und fΓΆrdern den Aufbau einer eigenstΓ€ndigen kosovarischen Truppe. Es entsteht eine festere Anbindung an den Westen, die wirtschaftlich (noch) nicht unterlegt ist, sicherheitspolitisch jedoch Tatsachen schafft.
π Zwei Achsen, zwei Strategien: Es formieren sich zwei erkennbare Linien: UngarnβSerbien mit offener Russland-Option auf der einen Seite sowie KroatienβAlbanienβKosovo, gestΓΌtzt von Deutschland und den USA, auf der anderen. WΓ€hrend die einen ein umfassendes Decoupling von Russland ablehnen, betreiben es die anderen β verbunden mit spΓΌrbaren Folgekosten.
π§ Geopolitisches Testfeld Westbalkan: Wo die EU keine ΓΌberzeugenden ΓΆkonomischen Perspektiven liefert, treten DrittmΓ€chte und Sicherheitslogiken in den Vordergrund. Wirtschaftlicher Frust wandelt sich in militΓ€rische Ordnungspolitik. Der Westbalkan wird damit erneut zum PrΓΌfstein europΓ€ischer HandlungsfΓ€higkeit.
π οΈ Konservativer Realismus: Was jetzt zΓ€hlt: Gefragt sind belastbare Angebote statt unverbindlicher Beitrittsrhetorik β Investitionen, MarktΓΆffnungen sowie Energie- und Industrieprojekte. Europa muss zugleich seine eigene HandlungsfΓ€higkeit stΓ€rken, um Fragmentierungstendenzen im Osten der Union zu begrenzen. Und es gilt, Sicherheitskooperationen mit wirtschaftlichen Anreizen zu verknΓΌpfen: Nur das Zusammendenken von Wohlstandsaussichten, Rechtsstaatlichkeit und VerteidigungsfΓ€higkeit kann die Blockbildung eindΓ€mmen; andernfalls drohen ZentrifugalkrΓ€fte und verhΓ€rtete Fronten.
π¨οΈ Kommentar der Redaktion: Sicherheitspolitik ohne ΓΆkonomisches Fundament bleibt auf Dauer instabil. BrΓΌssel muss greifbare WertschΓΆpfung versprechen und liefern β andernfalls fΓΌllen andere MΓ€chte das Vakuum. Die Autonomieagenda Budapests und die kalkulierte Offenheit Belgrads sind Symptome mangelnder europΓ€ischer Verbindlichkeit. Wer Westanbindung fordert, muss sie mit konkreten Investitionen, Marktressourcen und klaren Erwartungen hinterlegen. Europa braucht Ordnung vor Illusionen: PrioritΓ€t hat StabilitΓ€t durch Wohlstand, nicht Rhetorik.


