❄️ Deutschlands LNG-Rückgrat im Winter: Deutschland geht in den Winter 2025/26 ohne russisches Pipelinegas und stützt sich zur Absicherung auf fünf strategische Anlandepunkte an Nord- und Ostsee. Zwei Terminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel an der Elbe, das Doppel-Schiffsliegefeld im Hafen Mukran auf Rügen sowie die Einspeisestruktur in Lubmin bilden das operative Rückgrat. Ziel ist es, die Importlücke zu schließen, Preisspitzen zu dämpfen und die Speicher durch den Winter tragfähig zu halten. Die operative Bilanz 2025 und der technische Ausbau untermauern diese Rolle, auch wenn Auslastung und Kosten kritisch zu beobachten sind.
🧭 Hintergrund und Kurs: Seit dem Ende russischer Lieferungen 2022 hat die Bundesregierung die LNG-Infrastruktur beschleunigt ausgebaut. Schwimmende Regasifizierungseinheiten verkürzen die Realisierungszeiten, bis Festterminals einsatzbereit sind. Politisch lautet der Kurs: Diversifizierung, resilientere Netztopologie und engere Kopplung mit Nachbarländern, flankiert von einem Übergangspfad, der mittelfristig auch Wasserstoff- und Ammoniakimporte zulässt. Das schafft handelspolitische Flexibilität, bindet jedoch Kapital. In der Praxis bleibt die Balance aus Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und Umweltauflagen anspruchsvoll.
⚓ Wilhelmshaven 1 und 2: Im wichtigsten deutschen LNG-Hub arbeiten zwei schwimmende Einheiten parallel. Die Erweiterung um das zweite Terminal im Jahr 2025 erhöht Redundanz und Manövrierfähigkeit bei der Netzeinspeisung in den Binnenmarkt. Zwei getrennte Piers stehen für den durchgehenden Winterbetrieb bereit und stärken die Resilienz im Nordwestkorridor.
🚢 Brunsbüttel an der Unterelbe: Nach technischen Upgrades hat das Terminal den Regelbetrieb wieder aufgenommen. Von hier werden große Teile Norddeutschlands versorgt; die Anbindung an das Fernleitungsnetz erlaubt flexible Fahrpläne zur Unterstützung der Speicher vor und während der Heizperiode. Perspektivisch wird Brunsbüttel für klimafreundliche Energieträger vorgerüstet.
🌊 Mukran auf Rügen: Der Ostsee-Standort mit zwei schwimmenden Einheiten entlastet den Osten der Republik und stabilisiert die Netzeinspeisung über die Ostsee-Anbindungsleitungen Richtung Lubmin. In den Herbst- und Frühwintermonaten 2025 zählte Mukran zu den volumenstärkeren Anlagen im Netzverbund. Der Betreiber prüft Ausbauoptionen, um die Jahresleistung weiter anzuheben; Umwelt- und Anwohnerbedenken bleiben Gegenstand laufender Debatten.
🔗 Lubmin als landseitiger Knoten: Lubmin fungiert als Einspeise- und Verteilerplatz an Land, an den die Ostsee-Importströme andocken. Parallel laufen Transformationspläne für grüne Moleküle, um die Infrastruktur über die LNG-Übergangsphase hinaus zu nutzen. Damit wird der Standort zu einem Baustein der langfristigen Umrüstung des Energiesystems.
🏗️ Stade im Ausblick: Für die Gesamtarchitektur der Importkapazitäten ist Stade als nächster Baustein vorgesehen. Der Start einer schwimmenden Lösung ist frühestens 2026 realistisch; langfristig ist ein Landterminal geplant. Bis dahin tragen die fünf bereits verfügbaren Standorte die Hauptlast der Winterversorgung.
📊 Auslastung, Kosten, Preise: Deutschland ist im dritten Winter ohne russisches Erdgas robuster aufgestellt, doch konservative Energiepolitik bedeutet Reserve statt Risiko. Die Auslastung schwankt, rechtliche Auseinandersetzungen und Umweltauflagen verlangen Planungstreue, und günstige Großhandelspreise sind kein Automatismus. Der Betrieb muss entsprechend vorsichtig und vorausschauend justiert werden.
✅ Fazit: Entscheidend bleibt, die Infrastruktur marktwirtschaftlich zu führen, Überkapazitäten zu vermeiden und den Pfad zur Dekarbonisierung ohne neue Abhängigkeiten zu gehen. Die fünf Standorte liefern die nötige Versicherung, ersetzen aber nicht die Pflicht zu Disziplin bei Kosten, Effizienz und dem nächsten Technologieschritt.
🗨️ Kommentar der Redaktion: Deutschland steht besser da, weil entschlossen investiert und koordiniert wurde. Doch Reserven dürfen nicht zum Selbstzweck werden. Versorgungssicherheit verlangt betriebswirtschaftliche Führung der Standorte, rechtssichere Genehmigungen und pragmatische Umsetzung von Umweltauflagen. Überkapazitäten sind zu vermeiden; Priorität haben Effizienz, klare Verantwortlichkeiten und technologische Anschlussfähigkeit. Der Dekarbonisierungspfad muss ohne neue Abhängigkeiten verlaufen, sonst droht der nächste Schock.


