🚢 Tarnen und Rüsten: Chinas Frachter „Zhong Da 79“ trägt rund 60 Senkrechtstartzellen im Containerverbund

📸 Neue Bilder aus Shanghai

🚢 Neue Aufnahmen zeigen einen unscheinbaren Küstenfrachter, der zur Waffenplattform umgerüstet wurde: Auf dem chinesischen Zubringer „Zhong Da 79“ sind hinter Standardcontainern mehrere Reihen von Senkrechtstartzellen (VLS) sowie Radar- und Nahbereichsabwehrsysteme installiert. Fachbeobachter schätzen die Zahl der Startrohre auf etwa 60. Bildhinweise aus der Hudong‑Zhonghua‑Werft deuten darauf, dass ein Teil der Anlagen auf dem Vorschiff sowie in Containerstapeln nahe der Brücke verborgen ist.

🧩 Strategischer Hintergrund: Masse vor Klasse

⚙️ Die Aufrüstung folgt dem Ansatz, maritime Masse und Modularität vor wenige, hochspezialisierte Spitzenplattformen zu priorisieren. Anstatt nur auf Großkampfschiffe zu setzen, gewinnen containerisierte, schnell umrüstbare Träger – auch aus dem zivilen Bereich – an Bedeutung. Das Ziel: Aufklärung, Identifikation und Einsatzregeln des Gegners zu verkomplizieren, weil potenziell jeder Küstenfrachter als bewaffnete Plattform gelten könnte. Historische Vorläufer getarnter Hilfskreuzer sind bekannt; die durchgängige Containerisierung hebt das Konzept jedoch in die Gegenwart und erschwert sowohl Identifikation als auch Abschreckungslogik.

🛠️ Umbauphase und technische Spur

🧱 Zusätzliche offene Hinweise deuten auf eine längere Umbauphase hin. Demnach handelt es sich bei der „Zhong Da 79“ um einen rund 320 Fuß langen Inlandsfrachter ohne IMO-Eintrag, der zwischen April und August 2025 in Longhai modernisiert und anschließend am Huangpu in Shanghai ausgerüstet wurde. Route und Liegezeiten stützen den Eindruck eines geplanten Refits mit anschließender Erprobung in Hafennähe.

🛰️ Konfiguration und Sensorik

📡 Die verfügbaren Bilder lassen mehrere vertikale Startzellen-Reihen hinter Containerstapeln erkennen. In unmittelbarer Nähe stehen Sensormasten und eine phasengesteuerte Radarantenne. Auf einem Containerstapel ist zudem eine Nahbereichs-Flugabwehrkanone vom Typ 1130 samt Täuschkörperwerfern zu sehen. Aus der Anordnung schließen Beobachter, dass Feuerleit- und Radarleistung über ein reines „Arsenal‑Schiff“ hinausreichen und zumindest begrenzte autonome Zielzuweisung ermöglichen könnten. Zusätzliche Rettungsinseln weisen auf erweiterte Besatzungskapazitäten in Containern hin.

⚠️ Verwundbarkeit eines Frachters

🛡️ Trotz der Aufrüstung bleibt die Plattform in ihren militärischen Basisparametern verwundbar: Sie ist langsamer, wenig manövrierfähig, nicht stoßgehärtet und verfügt weder über redundante Energieversorgung noch über die ausgeprägte Schadensabwehr eines Kriegsschiffs. Schon ein einzelner Treffer könnte das Schiff außer Gefecht setzen.

🎯 Mögliche Einsatzrollen und Taktiken

🧩 Die Stärken liegen in der Modularität und Tarnung: Containerisierte Waffen- und Sensorsätze lassen sich umschlagen, die Plattform kann in zivilen Häfen unauffällig operieren und – etwa in einem Krisenszenario um Taiwan – verschiedene Rollen übernehmen.

  • Schwimmende Flugabwehrbatterie
  • Getarnter Handelsstörer
  • „Raketenfalle“ entlang wahrscheinlicher Anflugvektoren

🚦 Der dichte Bestand kleiner Küstenfrachter im südchinesischen Raum würde Gegner zwingen, Aufklärung und Geleitschutz breit zu strecken – mit Folgen für Ressourcen, Reaktionszeiten und Risikoabwägungen.

🧭 Bewegungsdaten deuten auf Tests

⏱️ Zeitliche Spuren aus AIS- und Satellitenbeobachtungen ergänzen das Bild: Nach Monaten der Werftliegezeit und Ausrüstung blieb die „Zhong Da 79“ zuletzt am Huangpu verholt – ein Muster, das für Integration und Tests typisch ist. Dass das Schiff im Binnenküstenverkehr ohne internationales Register operiert, erklärt die geringe Sichtbarkeit in globalen Flottenstatistiken.

🧠 Strategische Bewertung

🌀 Die zentrale Wirkung liegt weniger in absoluter Feuerkraft als im erzeugten Zweifel. Wenn handelsübliche Frachter potenziell hochgerüstet sind, steigen die Anforderungen an Identifikation, Lagebild und Einsatzregeln sprunghaft. Für westliche Marinen und die Handelsschifffahrt bedeutet das mehr ISR‑Aufwand, höhere Versicherungskosten und größere Eskalationsrisiken in der Grauzone zwischen Frieden und Konflikt. Das Signal ist eindeutig: Mit relativ einfachen, modularen Mitteln lässt sich der Operationsraum des Gegners verkomplizieren und die Schwelle, zivile Schiffe als militärische Ziele zu betrachten, gefährlich verschieben. Ob und wie die „Zhong Da 79“ über Hafen- und Küstenerprobung hinaus tatsächlich operativ eingesetzt wird, bleibt offen.

🗨️ Kommentar der Redaktion

🗨️ Das bewusste Verwischen der Grenze zwischen zivil und militärisch ist sicherheitspolitisch riskant und unterminiert berechenbare Seefahrt. Wer zivile Hüllen für militärische Zwecke nutzt, erhöht die Gefahr von Fehleinschätzungen und unbeabsichtigter Eskalation. Nötig sind nüchterne Lageaufklärung, klare und belastbare Einsatzregeln sowie wirksamer Schutz für Handel und Besatzungen. Der Westen sollte ISR-Fähigkeiten und Identifikationsverfahren zügig stärken, ohne selbst die Grenzziehung zwischen zivil und militärisch aufzuweichen. Wegschauen hieße, Fehlkalkulationen zu begünstigen – mit Kosten, die am Ende Reeder, Versicherer und Gesellschaft tragen.

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