DAS NEUSTE

🧊 Tiefsee-Rätsel in der Arktis: Methanhügel und Lebensgemeinschaften in 3,6 Kilometern Tiefe entdeckt

🧊 Fund in der arktischen Tiefsee Vor der Küste Grönlands ist in 3.640 Metern Wassertiefe eine außergewöhnliche Struktur dokumentiert worden. Forschende stießen am arktischen Mittelmeer Rücken Molloy Ridge auf mehrere Hügel aus gefrorenem Methan, die ein eigenständiges Ökosystem beherbergen. Der Befund gilt aufgrund von Tiefe und Zusammensetzung als wissenschaftlich bedeutsam und hat zugleich politische Relevanz.

🧭 Grenzfall zwischen Kaltquelle und Vent Gas Hydrat Austritte sind als Kaltquellen bekannt, treten jedoch meist auf Kontinentalhängen in weniger als 2.000 Metern Tiefe auf. Hydrothermale Quellen liegen häufig tiefer, unterscheiden sich aber deutlich in Chemie und Lebensgemeinschaften. Am Molloy Ridge wurde nun eine Zone identifiziert, in der Gas Hydrate Hügel ausbilden und zugleich typische Kaltquellen Fauna vorkommt. Die Freya Hydrathügel markieren damit eine Grenzregion, in der sich geologische Prozesse und Biologie ungewöhnlich überschneiden.

📡 Nachweis und Kartierung Akustische Messungen von Bord bestätigten Gasfahnen über dem Meeresboden. Ein ferngesteuertes Tauchgerät kartierte in einem Gebiet von etwa 100 mal 100 Metern mehrere Methanhügel, Einbruchsstrukturen und kleinere Rücken zwischen rund 3.570 und 3.747 Metern Tiefe. Gasblasen stiegen im Wasser bis auf etwa 290 Meter unter die Meeresoberfläche auf.

🧱 Aufbau und Stabilität Die Hügel bestehen aus Methan Hydrat und sind teils von Sedimenten sowie Carbonatkrusten überzogen. Risse und Kollapsformen deuten auf fortschreitende Um und Abbauprozesse hin. Modellrechnungen weisen auf eine etwa 248 Meter mächtige Stabilitätszone im Untergrund hin, was beträchtliche potenzielle Hydratvorkommen in der Umgebung nahelegt.

🧪 Gasquelle und Geochemie Isotopenanalysen zeigen ein thermogenes Gemisch, vorwiegend Methan mit Anteilen höherer Kohlenwasserstoffe. In Proben fanden sich zudem Ölreste, die auf eine vergleichsweise junge miozäne Muttergesteinsquelle in einem Süß bis Brackwasser Milieu hindeuten.

🪱 Lebensgemeinschaften Die Freya Hügel tragen dichte Bestände kemosynthetischer Röhrenwürmer der Gattung Sclerolinum. Daneben wurden weitere Arten dokumentiert, darunter Maldaniden, Schnecken der Familien Skeneidae und Rissoidae, Flohkrebse der Familie Melitidae sowie weitere Krebstiere. Bemerkenswert ist die Ähnlichkeit der Fauna zu arktischen Hydrothermalquellen in ähnlicher Tiefe, etwa dem Jøtul Feld, obgleich die geologischen Rahmenbedingungen differieren.

🌐 Biogeografische Einordnung Während flachere arktische Kaltquellen relativ gut dokumentiert sind, erweitert dieser Fund das Bild der Tiefsee erheblich. Er wirft Fragen nach Verbreitungswegen, Anpassungen und der Kopplung zwischen Kaltquellen und Vent Ökosystemen auf und lenkt den Blick auf mögliche Verbindungslinien zwischen beiden Lebensräumen.

🌡️ Physikalischer Hintergrund Die in den letzten Jahrzehnten gemessene leichte Erwärmung des tiefen Grönlandmeers bildet den weiträumigen Rahmen. Sie erklärt die lokalen Prozesse an den Freya Hydrathügeln jedoch nicht vollständig und bleibt als Hintergrundfaktor einzuordnen.

⚖️ Konsequenzen für Politik und Wirtschaft Der Befund ist keine Alarmmeldung, sondern eine präzise Beobachtung, die bestehende Kategorien infrage stellt. Er zeigt, dass arktische Tiefseeregionen geologisch aktiver und biologisch vielfältiger sind als bisher angenommen. Daraus folgt kein Freibrief zur Nutzung vermeintlicher Ressourcen, sondern die Pflicht zur Sorgfalt. Erst belastbare Langzeitdaten zu Stabilität, Methanflüssen und Biodiversität sollten über Schutz oder Nutzung entscheiden.

🗨️ Kommentar der Redaktion Wer jetzt von Chancen spricht, verwechselt wissenschaftliche Entdeckung mit Besitzansprüchen. Ohne tragfähige Langzeitdaten über Stabilität und Flüsse wäre jede Erschließung politisch kurzsichtig und ökologisch riskant. Vorrang haben Forschung, Monitoring und klare Vorsorge statt symbolischer Erkundung. Zuständigkeiten und Regeln sind nüchtern zu klären, bevor Begehrlichkeiten Fakten schaffen. Erst Wissen, dann Wollen widerspruchsfreie Sorgfalt ist der Maßstab im Hohen Norden.

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