📣 Handwerk erhöht den Druck Sachsens Bäcker und Konditoren erhöhen kurz vor Jahreswechsel den Druck auf die Bundespolitik und verlangen die Abschaffung der Belegausgabepflicht. Landesobermeister Stefan Richter kritisiert, das Instrument habe weder mehr Steuergerechtigkeit noch Transparenz geschaffen, belaste aber die Betriebe im Tagesgeschäft spürbar. Innungs-Geschäftsführerin Manuela Lohse verweist auf eine Flut ungenutzter Papierbelege, die vielerorts gleich am Tresen liegen bleiben. Laut Bericht steht die Abschaffung im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung, ist aber bislang nicht umgesetzt; das Thema wurde am 29. Dezember 2025 erneut öffentlich adressiert.
ℹ️ Was die Bonpflicht regelt Die Bonpflicht gilt seit dem 1. Januar 2020. Sie wurde im Zuge des Kassengesetzes eingeführt, um Manipulationen an digitalen Aufzeichnungen und damit Steuerhinterziehung zu erschweren. Grundidee ist, jeden Geschäftsvorfall mit einem Beleg zu dokumentieren, um den Abgleich zwischen Kassenaufzeichnungen und tatsächlichem Verkauf zu erleichtern. Befreiungen sind im Ausnahmefall vorgesehen, wenn nachweislich eine unzumutbare Härte für den einzelnen Betrieb vorliegt. Ziel war nicht die Annahmepflicht durch den Kunden, sondern die Belegausgabe durch den Betrieb.
👨🍳 Kritik aus dem Backhandwerk Dorfbäckermeister Stefan Richter aus Kubschütz bei Bautzen bemängelt, die Pflicht steigere den administrativen Aufwand gerade in Stoßzeiten, ohne den behaupteten Zugewinn an Fairness im Wettbewerb zu liefern. Personal werde gebunden, der Arbeitsfluss gestört. Für Handwerksfilialen mit hohem Anteil an Kleinstumsätzen ist die Belastung besonders spürbar.
📄 Papierflut und Praxisferne Nach Berechnungen von Manuela Lohse ergäben die an einem Tag gedruckten Bons – aneinandergereiht – eine Strecke von Dresden bis zum Fichtelberg und zurück. In der Praxis wollen viele Kundinnen und Kunden keinen Beleg; er landet häufig unmittelbar im Korb neben der Kasse. Das nährt in der Branche den Eindruck einer bürokratischen Pflicht ohne praktischen Mehrwert.
🗳️ Politische Lage Die schwarz-rote Bundesregierung hat die Abschaffung der Bonpflicht im Koalitionsvertrag verankert. Ein entsprechender Schritt steht jedoch aus, was im Bäckerhandwerk auf Unverständnis stößt, zumal die Regelung seit Jahren umstritten ist.
🏛️ Rechtlicher Rahmen Nach geltendem Recht bleibt die Belegausgabe grundsätzlich verpflichtend. Befreiungen sind möglich, aber eng gefasst und an strenge Zumutbarkeitskriterien gebunden; Kosten- oder Umweltargumente allein reichen nicht für einen generellen Dispens. Damit ist der Spielraum der Finanzämter begrenzt und die Erwartung an Betriebe, die Pflicht im Alltag zu erfüllen, hoch.
⏳ Konfliktlinie und Ausblick Der Zielkonflikt ist deutlich: Der Staat will Steuerbetrug erschweren, das Handwerk verlangt Entlastung von ineffizienter Bürokratie. Angesichts der Papierflut, der Praxisprobleme und der Belastungen im Filialalltag wächst der Druck, die angekündigte Kurskorrektur umzusetzen – sei es durch Abschaffung, spürbare Entschlackung oder eine praxistaugliche Opt-out-Lösung für Bargeldbranchen mit vielen Kleinstumsätzen. Bis zu einer Entscheidung bleibt die Bonpflicht in Kraft; für die Betriebe heißt das weiterdrucken und weiter warten.
🗨️ Kommentar der Redaktion Eine Pflicht, die nach Jahren keinen erkennbaren Mehrwert liefert, gehört zügig reformiert oder abgeschafft. Bürokratie, die vor allem Papier produziert und Arbeitsprozesse stört, schwächt das Handwerk und damit die wirtschaftliche Basis vor Ort. Wenn die Koalition die Entlastung verspricht, muss sie liefern – verlässlich und ohne weitere Verzögerung. Steuerhygiene bleibt wichtig, doch sie lässt sich nicht durch flächendeckendes Bon-Ausdrucken erzwingen. Eine klare Entscheidung für Abschaffung oder ein konsequentes Opt-out bei Kleinstumsätzen wäre ein vernünftiger, konservativer Schritt der Ordnungspolitik.


