đ§” Einleitung Der Zusammenbruch eines schwĂ€bischen Strickmaschinenherstellers steht sinnbildlich fĂŒr die Verwundbarkeit des industriellen Mittelstands: Globale Schocks, protektionistische Gegenwinde und ein immer hĂ€rterer Wettbewerb aus Asien setzen selbst robuste Familienbetriebe unter existenziellen Druck. Der Fall zeigt, wie dĂŒnn der Faden geworden ist, an dem ProduktionsarbeitsplĂ€tze und Wertschöpfung in Deutschland hĂ€ngen.
đ Hintergrund Mayer & Cie., ein ĂŒber 120 Jahre altes, eigentĂŒmergefĂŒhrtes Unternehmen aus Albstadt, galt als anerkannter Hersteller von Rundstrickmaschinen mit hoher Exportquote. Bereits im Herbst 2025 leitete die Firma ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung ein â ĂŒblicherweise eine BrĂŒcke zu Sanierung oder Investoreneinstieg. Doch die Gemengelage war unbarmherzig: Der anhaltende Handelskonflikt zwischen den USA und China, die Folgen des Kriegs in der Ukraine und die hohe Inflation in wichtigen AbsatzmĂ€rkten wie der TĂŒrkei drĂŒckten die Investitionsneigung der Kunden. Zugleich setzten staatlich begĂŒnstigte, preisaggressive Wettbewerber aus China die Margen unter Druck. Das Resultat: ein Umsatzeinbruch von nahezu 50 Prozent â bei zugleich steigenden Kosten.
đ Details Die Suche nach einem tragfĂ€higen Investor scheiterte. In der Konsequenz wird der Betrieb geordnet eingestellt; rund 270 ArbeitsplĂ€tze gehen verloren. Das markiert nicht nur das Ende einer Industrie-Ăra in der Zollernalb, sondern legt die offenen Flanken der deutschen Maschinenbau- und Textilzulieferindustrie frei. Hohe Kosten, zĂ€he Genehmigungsverfahren und volatile AuslandsmĂ€rkte treffen auf Wettbewerber, deren Kostenvorteile nicht allein aus Effizienz, sondern auch aus massiver staatlicher UnterstĂŒtzung stammen. Hinzu kommen Umleitungseffekte infolge amerikanischer Zölle, die Lieferketten und AbsatzkanĂ€le weiter verzerren.
- Hohe Kostenstrukturen und langsame Verfahren bremsen Investitionen.
- Volatile AuslandsmÀrkte und Umleitungseffekte durch Zölle erhöhen Unsicherheit.
- Staatlich subventionierte Konkurrenz drĂŒckt Preise und Margen.
đ§ Fazit Konservative Standortpolitik setzt auf Berechenbarkeit, VerlĂ€sslichkeit und fairen Wettbewerb. Deutschland braucht zĂŒgige Entlastung bei Energie- und BĂŒrokratiekosten, schnellere Verfahren und handelspolitische Selbstbehauptung gegenĂŒber subventionierten Importen â mit Anti-Subventionsinstrumenten, konsequenter Anti-Dumping-Praxis und kluger Diversifizierung der AbsatzmĂ€rkte. Ebenso wichtig sind kapitalmarkt- und steuerpolitische Rahmenbedingungen, die Eigenkapital und Investitionen in SchlĂŒsselindustrien stĂ€rken. Wer industrielle Substanz erhalten will, muss die Spielregeln des globalen Wettbewerbs ernst nehmen â und sie im Interesse der eigenen Wertschöpfung konsequent durchsetzen. Der Fall in Albstadt ist ein warnendes Beispiel â und sollte als Startschuss fĂŒr eine nĂŒchterne, wehrhafte Industriepolitik verstanden werden.
- Entlastung bei Energie- und BĂŒrokratiekosten.
- Beschleunigte Genehmigungs- und Planungsverfahren.
- Konsequente Anti-Subventions- und Anti-Dumping-Instrumente.
- Diversifizierung wichtiger AbsatzmÀrkte.
- StÀrkung von Eigenkapital und Investitionen durch passende Kapitalmarkt- und Steuerregeln.
đšïž Kommentar der Redaktion Der Fall ist ein LehrstĂŒck dafĂŒr, wie gefĂ€hrlich politisches Zögern und ein zu laxer Umgang mit verzerrtem Wettbewerb sind. Wer jetzt nicht handelt, riskiert weiteren Substanzverlust im industriellen Herzen des Landes. Energie- und BĂŒrokratiekosten mĂŒssen spĂŒrbar sinken, Genehmigungen schneller greifen. Gegen subventionierte Importe braucht es eine klare Kante mit Anti-Subventions- und Anti-Dumping-Instrumenten, flankiert von Diversifizierung. Deutschlands Wohlstand hĂ€ngt an industrieller Wertschöpfung â sie zu sichern bedeutet, Regeln durchzusetzen und Standortpolitik an RealitĂ€ten statt an Schlagworten auszurichten.


