📰 Neustart in Dresden Der frühere Dynamo-Torwart Gunnar Grundmann (52) stellt seine Laufbahn neu auf: Seit Sommer 2023 lässt er sich praxisbegleitend beim Kinderschutzbund zum staatlich anerkannten Erzieher ausbilden, Abschlussziel ist der Sommer 2027.
📌 Vorbild für den Übergang Sein Schritt steht exemplarisch für die Frage, wie ehemalige Profis den verlässlichen Übergang in das zivile Berufsleben schaffen.
📖 Werdegang und frühe Jahre Grundmann durchlief ab 1988 den Dynamo-Nachwuchs und gehörte als 17-Jähriger dem Profikader an. Bundesligaeinsätze blieben aus; meist war er Ersatz, zeitweise hinter Mark Schwarzer.
💶 Station Leipzig und Nachwirkungen 1995 wechselte er zum VfB Leipzig und absolvierte sieben Zweitliga-Partien. Nach der Vereinsinsolvenz sind bis heute rund 7000 Euro an Insolvenzausfallgeld offen.
🔄 Zäsur nach der aktiven Zeit Mit 30 beendete er die Profikarriere, arbeitete anschließend als Torwarttrainer bei Dynamo und versuchte sich unternehmerisch. Die Pandemie brachte das fragile Geschäftsmodell ins Wanken und löste das Umdenken aus. Der Fall verweist auf ein verbreitetes Problem: Unterhalb der Topligen fehlt häufig ein belastbares Sicherungsnetz für die Zeit nach dem Sport.
🧑🏫 Berufsbegleitende Qualifikation Die Qualifikation erfolgt berufsbegleitend mit zwei Tagen Schule und drei Tagen Praxis. Grundmann arbeitet in der Kita „Naseweis“ in Dresden-Plauen und absolviert zusätzlich ein Fremdpraktikum in einer Intensivwohngruppe für 14- bis 18-Jährige.
⏰ Hoher Aufwand und Verzicht Der Weg verlangt Verzicht: Wochenarbeit zwischen Einrichtung und Unterricht, Wochenenden mit Facharbeiten. Die Torwartschule ruht bis zum Abschluss.
🎓 Abschluss und Berufsbild Nach bestandener Prüfung führt die Berufsbezeichnung „Bachelor Professional in Sozialwesen“, die den staatlich anerkannten Erzieher abbildet.
📋 Kernpunkte Das Wichtigste auf einen Blick:
- Ausbildung seit Sommer 2023, praxisbegleitend beim Kinderschutzbund.
- Praxis in der Kita „Naseweis“ und Fremdpraktikum in Intensivwohngruppe (14–18 Jahre).
- Geplanter Abschluss Sommer 2027; Berufsbezeichnung „Bachelor Professional in Sozialwesen“.
🧭 Einordnung und Signalwirkung Sein Schritt ist weniger romantischer Sinneswandel als kalkulierter Versuch, Lebensunterhalt und Sinn zu verbinden – getragen von Disziplin, Demut und sozialer Verantwortung. Er zeigt, dass späte Neuorientierung möglich ist, wenn Ausbildungswege durchlässig sind und Leistung belohnt wird. Für Vereine und Verbände bleibt die Aufgabe, Übergänge planbar zu machen – jenseits von Glanz und Stadionlicht. Grundmanns Beispiel setzt einen nüchternen Kontrapunkt und zugleich ein ermutigendes Signal.
🗨️ Kommentar der Redaktion Das ist die richtige Richtung: Eigenverantwortung statt Opferrolle. Wer vom Profisport lebt, muss den zweiten Bildungsweg früh mitdenken – und Verbände haben die Pflicht, dafür klare Strukturen zu schaffen. Notwendig sind verbindliche Übergangsprogramme statt unverbindlicher Appelle. Leistung, Disziplin und Demut dürfen auch nach der Karriere die Maßstäbe sein. Grundmann zeigt, dass es geht – jetzt sind Klubs und Ligen am Zug.


