📰 Einordnung Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) fordert die deutsche Autoindustrie auf, die Umstellung auf Elektroantriebe zügig voranzutreiben. Jüngste Signale aus Brüssel zu lockereren Vorgaben seien kein Anlass, den Verbrennungsmotor länger zu pflegen. Die Zukunft der Branche sei elektrisch; wer das verkenne, riskiere Wettbewerbsnachteile. Die Aussagen datieren vom 20. Dezember 2025.
🇪🇺 Hintergrund aus Brüssel Die EU-Kommission hat ihren Kurs beim ursprünglich strikten Ausstieg aus Verbrennungsmotoren nach 2035 korrigiert und will die Regulierung flexibler gestalten. Ziel ist ein praxistauglicher Übergang zur Klimaneutralität, ohne die industriepolitischen Risiken zu übersehen. Für Hersteller bedeutet das mehr Spielraum in der Antriebsstrategie, zugleich aber die Pflicht, in tragfähige und international wettbewerbsfähige Geschäftsmodelle zu investieren.
⚖️ Klimaschutz und Beschäftigung Klingbeil betont, dass sich Klimaschutz und Beschäftigung bei pragmatischem Vorgehen vereinen lassen. Der zusätzliche Gestaltungsspielraum ist damit kein Freibrief, sondern ein Auftrag zur Umsetzung mit Augenmaß und Tempo.
⚠️ Mahnung an die Hersteller Ein Festhalten an Diesel und Benziner verschärfe die Probleme von morgen, so Klingbeil. Der Weg zur Elektromobilität müsse mit „hohem Tempo“ weitergehen; „die Zukunft der Mobilität ist elektrisch“.
🌐 Warnsignal aus China Als warnendes Beispiel verweist der Minister auf China. In Metropolen wie Peking und Shanghai zeige sich, wie weit der dortige Markt dank massiver staatlicher Förderung bereits ist – deutsche Hersteller hätten Nachholbedarf.
🏛️ Standortpatriotismus und Beschaffung Klingbeil verknüpft seine Lageeinschätzung mit einem Appell an den Standortpatriotismus. Öffentliche Beschaffungen sollten – bei wettbewerbsfähigem Angebot – europäische Anbieter stärken. Auslöser seiner Verärgerung war die Entscheidung der Deutschen Bahn, neben einer Großbestellung bei MAN auch 200 Elektrobusse vom chinesischen Hersteller BYD zu ordern.
🏭 Industriepolitische Konsequenzen Die Spielräume aus Brüssel sind kein Aufschub, sondern ein Zeitfenster, um das Elektro-Geschäft zügig zu skalieren, Wertschöpfung im Land zu halten und Abhängigkeiten zu reduzieren.
🚀 Wettbewerb und Tempo Wer jetzt in Produkt, Kostenstruktur und Lade-Ökosystem investiert, kann im verschärften Wettbewerb bestehen. Wer zaudert, riskiert Marktanteile und industrielle Substanz an dynamische Wettbewerber zu verlieren.
🧩 Prioritäten für Hersteller Die Kernbotschaft bündelt sich in wenigen Handlungsfeldern:
- Elektromobilität mit hohem Tempo ausbauen.
- Tragfähige, international wettbewerbsfähige Geschäftsmodelle etablieren.
- Wertschöpfung und Beschäftigung durch europäische Lösungen sichern.
- Lade-Ökosystem und Kostenstruktur konsequent optimieren.
🗨️ Kommentar der Redaktion Klingbeils Mahnung ist nüchtern und notwendig: Wer die Elektrowende verschleppt, verspielt industriellen Einfluss. Die flexibleren EU-Regeln sind kein Ruhekissen, sondern eine letzte Frist, die Hausaufgaben zu machen. Öffentliche Beschaffungen dürfen nicht aus Bequemlichkeit am vermeintlich günstigsten Angebot hängen bleiben, wenn damit europäische Kapazitäten ausgehöhlt werden. Die Bestellung von 200 Bussen bei BYD ist ein deutliches Signal, dass Vorsprung anderswo entsteht. Jetzt zählen Disziplin, Kostensenkung und Infrastruktur – nicht die Pflege des Vergangenen.


