🛡️ Patria statt „Fuchs“: Berlin entscheidet gegen Kasseler Lösung – und für Montage andernorts

📰 Einleitung Die Bundeswehr stellt die Weichen für einen neuen Transportpanzer und nimmt damit den Hoffnungen des Rheinmetall-Standorts Kassel die Spitze. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat den Erwerb des Patria 6×6 in größerer Stückzahl gebilligt. Zusammengebaut werden die Fahrzeuge zwar in Deutschland, jedoch nicht in Nordhessen. Politische Interventionen für eine ausschließlich nationale Lösung blieben ohne Wirkung.

🧭 Hintergrund Der betagte Transportpanzer „Fuchs“, in Kassel entwickelt und gefertigt, diente der Truppe über Jahrzehnte als Arbeitstier. Zur Erneuerung der Flotte stand Rheinmetall mit dem „Fuchs 2“ bereit. Im Oktober forderten Hessens Ministerpräsident Boris Rhein und vier Amtskollegen den Kanzler auf, die Nachfolge ausschließlich mit heimischen Produkten zu bestreiten – vergeblich. Die 25-Millionen-Vorlagen im Verteidigungsbereich, die die Zustimmung des Haushaltsausschusses erfordern, führten diesmal zu einer internationalen Beschaffung mit deutscher Endmontage.

📌 Entscheidung im Detail Kern der Entscheidung: Die Bundeswehr beschafft bis zu 876 Patria 6×6. Die Fahrzeuge werden in Deutschland bei KNDS in Freisen im Saarland sowie bei der Flensburger Fahrzeugbau GmbH in Flensburg und deren Tochter JWT in Kirchen in Rheinland-Pfalz zusammengebaut. Kassel geht beim unmittelbaren Erben des „Fuchs“ leer aus.

🏗️ Montage und Lieferkette Die Truppe setzt damit auf einen erprobten, europaweit genutzten Transporter und stabilisiert die Lieferkette über mehrere Standorte in Deutschland. Die Endmontage konzentriert sich auf die genannten Werke außerhalb Nordhessens.

🏭 Auswirkungen auf Kassel Für den Standort Kassel sind die Folgen ambivalent. Rheinmetall richtet das Werk strategisch neu aus und setzt auf eine großangelegte Serienfertigung des „Boxer“. Über 500 Fahrzeuge pro Jahr gelten als Zielmarke; die Belegschaft soll von rund 1800 auf 3000 Beschäftigte wachsen. Wertschöpfung verlagert sich, nicht zuletzt, weil die Endmontage des neuen Truppentransporters in anderen Landesteilen erfolgt.

💶 Weitere Rüstungsprojekte Begleitet wird der Patria-Beschluss von weiteren Milliardenprojekten. Der Haushaltsausschuss gab grünes Licht für einen Rahmenvertrag zur Radhaubitze RCH 155: Zunächst sind drei Musterfahrzeuge und 80 Serienfahrzeuge vorgesehen, später – vorbehaltlich der Haushaltslage 2026 – eine Ausweitung um 149 weitere Einheiten; insgesamt plant die Bundeswehr bis zu 500 Systeme. Gleichzeitig wird der Schützenpanzer Puma aufgestockt: Ein Rahmenvertrag steigt von 229 auf 254 Fahrzeuge; nach 50 bereits bestellten Exemplaren wurden 200 weitere freigegeben – Kostenpunkt rund vier Milliarden Euro.

🎯 Bewertung und Ausblick Die Entscheidung steht für Realismus statt Symbolpolitik. Ein prominenter Rüstungsstandort verliert den Zuschlag für „seinen“ Nachfolger, erhält aber Kompensation über Boxer-, Puma- und Artillerieprogramme – ohne die industrielle Führungsrolle beim Fuchs-Erben. Für die Bundeswehr zählt die zügige Verfügbarkeit moderner Plattformen. Für die Industrie bleibt die Aufgabe, nationale Wertschöpfungstiefe mit Termintreue und Kostenstabilität so zu verbinden, dass Berlin beim nächsten Großvorhaben nicht erneut eine internationale Ausweichroute wählt.

🗨️ Kommentar der Redaktion Die Entscheidung ist richtig, weil Einsatzreife und Verfügbarkeit im Vordergrund stehen müssen. Schutzreflexe zugunsten einzelner Standorte dürfen Beschaffungen nicht länger lähmen. Wer in Deutschland zum Zuge kommen will, muss verlässlich, termingerecht und kostendiszipliniert liefern. Kassel hat mit Boxer, Puma und Artillerie handfeste Chancen – sie müssen genutzt, nicht beklagt werden. Der Bund sollte Leistung honorieren, nicht Herkunft, und den eingeschlagenen Kurs konsequent fortsetzen.

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