🌋 Tief, schräg, aktiv: Neue Messkampagne präzisiert das Bild unter dem Laacher See

🧭 Überblick Eine beispiellose Messkampagne mit rund 500 seismischen Stationen und einer 64 Kilometer langen Glasfaserleitung liefert ein deutlich geschärftes Bild des Vulkans unter dem Laacher See. Die Auswertung zeigt ein tiefer gelegenes, in Richtung Neuwieder Becken geneigtes Magmareservoir und anhaltende Mikrobeben. Die Ergebnisse sind wissenschaftlich bedeutsam, Anlass zu Alarmismus besteht jedoch nicht.

📜 Hintergrund Der Laacher See Vulkan gilt als prominentestes Zentrum der Eifelvulkane. Seine hochexplosive Eruption vor rund 13.000 Jahren überdeckte weite Teile des Umlands mit Asche, pyroklastische Ströme erreichten unter anderem den Raum Mendig. Mangels direkter Einblicke stützte sich das Bild vom Untergrund bislang vor allem auf Oberflächenablagerungen, nun liefern erstmals hochauflösende tomographische Abbildungen Einblick in den tieferen Aufbau.

🧪 Messansatz Zwischen Herbst 2022 und Sommer 2023 verteilten Forschungsteams mehr als 500 seismische Sensoren mit sehr engem Stationsabstand; zusätzlich kam verteilte akustische Messung entlang einer 64 Kilometer langen Glasfaser zum Einsatz. Es handelt sich um das bislang größte vulkanseismologische Large‑N Experiment in Deutschland.

🗺️ Geometrie des Systems Unter dem Laacher See zeigt sich eine Anomalie seismischer Geschwindigkeiten bis in etwa zehn Kilometer Tiefe, tiefer als zuvor vermutet. Die Struktur fällt nicht senkrecht ab, sondern schräg in Richtung des Neuwieder Beckens, wo sich auch zahlreiche kleine Erschütterungen häufen.

🌋 Seismische Aktivität Innerhalb eines Jahres wurden über tausend Mikrobeben präzise lokalisiert, viele davon in einem schmalen vertikalen Korridor zwischen Ochtendung und Laacher See. Weitere Häufungen liegen an Rändern von Zonen mit auffällig veränderter Wellenausbreitung, ein Hinweis auf erhöhte Temperaturen oder Fluide.

💧 Fluide in der Kruste Starke Reflexionen an Schichtgrenzen in oberer und unterer Kruste unter dem Neuwieder Becken deuten auf Ansammlungen von Fluiden. Ob es sich um Magma oder magmatische Fluide handelt, ist offen und Gegenstand laufender Auswertungen.

📈 Publikationen und Datenbasis Erste Resultate sind in Seismica, im Journal of Geophysical Research: Solid Earth und im Geophysical Journal International erschienen und bilden die Grundlage für weitere Analysen.

🧩 Einordnung der Ergebnisse Die neuen Daten korrigieren und verfeinern das mechanische Bild des Vulkansystems unter dem Laacher See: tiefer gelegen, geneigt und seismisch aktiv. Daraus folgt jedoch nicht automatisch ein kurzfristig erhöhtes Ausbruchsrisiko.

🛠️ Konsequenzen für Praxis Für Behörden und Forschung ergeben sich klare Aufgaben, die auf der neuen Datengrundlage aufbauen.

  • Kontinuierliche Überwachung
  • Verbesserte Modellierung
  • Nüchterne Kommunikation der Risiken

🗨️ Kommentar der Redaktion Das Bild vom Laacher See wird präziser, nicht dramatischer. Wer aus tieferen Reservoiren und Mikrobeben kurzfristige Alarmstufen ableitet, verwechselt wissenschaftlichen Fortschritt mit Gefahrenprognose. Gefordert sind jetzt kontinuierliche Überwachung, belastbare Modelle und eine Kommunikation ohne Sensationslust. Behörden sollten die neue Datengrundlage nutzen, nüchtern priorisieren und Panik vermeiden. Forschung und Verwaltung sind in der Pflicht, Transparenz zu schaffen und zugleich Maß zu halten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Aktuelle Nachrichten

Folg uns

Folg uns auf Social Media

Verpasse keine News und Updates – folge uns jetzt!

Täglich aktuelle Nachrichten aus Zittau, der Oberlausitz und ganz Deutschland

Zittauer Zeitung | Echt. Lokal. Digital.