📰 Kernaussage: Eine neue europäische Energiesystem-Analyse zeigt, dass ein gebremster Ausbau der Erneuerbaren der teuerste Weg ist; ein „langsamer Übergang“ verursacht bis 2050 rund 1,6 Billionen Euro höhere Gesamtsystemkosten als ein ambitionierter Ausbau von Wind- und Solarenergie. Die Befunde fallen in eine Debatte, in der Bundeskanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche jüngst eine stärkere Rolle steuerbarer Gaskraftwerke betont und weniger Tempo beim Ausbau in Aussicht gestellt haben.
🧭 Politischer Kontext: Der Ansatz, Ausbauziele leicht zurückzunehmen und stärker auf Gas zu setzen, folgt der Annahme, eine gedrosselte Dynamik stabilisiere das System und dämpfe Kosten. Die von WindEurope und Hitachi Energy vorgelegte Modellierung kehrt diese Lesart um: Nicht Beschleunigung, sondern Verzögerung treibt die Rechnung nach oben – vor allem wegen fortgesetzter Importabhängigkeit von Öl und Gas sowie höherer CO2-Kosten. Bereits bis 2035 wäre das Erneuerbaren-Szenario um hunderte Milliarden Euro günstiger.
💶 Kostenbilanz bis 2050: Die Studie vergleicht fünf Pfade für Europas Energiesystem bis 2050 – vier mit Netto-Null-Ziel und einen gebremsten Übergang. Ein erneuerbarenbasiertes System bleibt selbst unter vollständiger Einrechnung von Netzen, Speichern, Reservekraftwerken und Elektrifizierung die mit Abstand kostengünstigste Option. Die Differenz zum „Slow Transition“-Szenario summiert sich auf etwa 1,6 Billionen Euro bis 2050; bereits 2035 ergeben sich Einsparungen von rund 331 Milliarden Euro.
🛡️ Versorgungssicherheit und Importe: Ein hoher Anteil erneuerbarer Energien senkt die europäische Energieimportquote bis 2050 auf etwa 22 Prozent; im gebremsten Pfad bliebe sie bei rund 54 Prozent. Ein beschleunigter Ausbau reduziert damit nicht nur Kosten, sondern stärkt auch die Resilienz gegenüber geopolitischen Preisschocks.
⚙️ Kurzfristige Kosten einordnen: Häufig angeführte Netzengpass- und Redispatch-Kosten – 2024 im Milliardenbereich – fallen in der langfristigen Gesamtsystemperspektive kaum ins Gewicht. Entscheidend ist die kumulierte Last aus fortgesetzten Brennstoffimporten sowie verschleppten Investitionen in Flexibilität, Netze und Speicher.
💼 Kapital- und Förderfragen: Unsichere Rahmenbedingungen erhöhen Finanzierungskosten und bremsen private Investitionen. Dieses politische Risiko kann die gesamtwirtschaftliche Vorteilhaftigkeit des Erneuerbaren-Pfads unterminieren. Planungssicherheit und zügige Netzinvestitionen sind daher zentral für Kosteneffizienz.
📈 Fazit für Standortpolitik: Für eine konservative Wirtschafts- und Standortpolitik lautet die Botschaft klar: Kostendisziplin entsteht nicht durch Verzögerung, sondern durch zügigen, planbaren Ausbau erneuerbarer Kapazitäten samt Netzen, Speichern und Back-up. Wer das Tempo drosselt, verlängert teure Importabhängigkeiten, erhöht die Unsicherheit für Investoren und belastet am Ende Haushalte wie Industrie. Ein Kurs, der Systemkosten in den Mittelpunkt stellt, spricht für Beschleunigung – technologieoffen im Back-up, aber mit klarer Priorität auf erneuerbarem Zubau und Netzinfrastruktur. Das ist die robustere, kalkulierbare und langfristig günstigere Option für Europa und den Industriestandort Deutschland.
🗨️ Kommentar der Redaktion: Wer Kosten senken will, beendet Zögerlichkeit und baut planvoll aus. Gaskraftwerke gehören ins Back-up, nicht ins Zentrum der Strategie. Politische Volten und wechselnde Ziele erhöhen Kapitalkosten und treffen Mittelstand und Haushalte. Nötig sind verlässliche Regeln, schnelle Genehmigungen und entschlossener Netzausbau statt neuer Umwege. Wer Verzögerung predigt, verteuert Energie und schwächt den Standort. Der Kurs ist eindeutig: schneller, berechenbarer Ausbau der Erneuerbaren mit strikter Kostendisziplin.


