📰 Kern der Aussage Die Personalchefin von Mercedes-Benz, Britta Seeger, hat die deutschen Regeln zur Krankschreibung als zu großzügig kritisiert. In einem Interview betonte sie, das Abmelden wegen Krankheit sei hierzulande „zu einfach“. Zugleich liege der Krankenstand in den deutschen Werken weiterhin über dem Niveau anderer Regionen, auch wenn zuletzt Fortschritte erzielt wurden.
🧭 Standortdebatte Die Einlassungen fügen sich in eine seit Monaten laufende Standortdebatte. Bereits Ende 2024 hatte Konzernchef Ola Källenius den hohen Krankenstand in Deutschland moniert und daraus Wettbewerbsnachteile abgeleitet. Seeger bestätigt nun, dass die Quote von Werk zu Werk variiert, insgesamt jedoch höher ist als international – trotz bereits erzielter Verbesserungen.
🦠 Pandemiebedingte Regeln Als zentrale Ursache verweist Seeger auf die während der Corona-Pandemie stark vereinfachten Krankschreibungen. Die damals sinnvollen Erleichterungen hätten zu einem sehr vorsichtigen Verhalten geführt, das heute mitunter überzogen sei. Ihre Bilanz: „Es ist meiner Meinung nach zu einfach, sich in Deutschland krankschreiben zu lassen.“
🧑💼 Interne Steuerung und Kontrolle Operativ setzt Mercedes auf engere Führung und Kontrolle: Führungskräfte führen Gespräche mit Beschäftigten, bei denen Auffälligkeiten im Muster der Krankmeldungen bestehen. Das habe geholfen; in wenigen Fällen, in denen „falsch gespielt“ worden sei, habe das Unternehmen arbeitsrechtlich reagiert – ein Signal an die Mehrheit, die „jeden Tag die Extrameile“ gehe.
🤝 Prävention und Zusammenarbeit Parallel arbeitet der Konzern mit Betriebsrat und Werksärzten daran, Ausfälle zu verringern und systematisch Ursachen zu identifizieren. Auffällig sei laut Seeger: In Bereichen mit höherer Zufriedenheit falle der Krankenstand geringer aus – ein Hinweis auf den Zusammenhang zwischen Führungskultur, Motivation und Fehlzeiten.
🏛️ Politischer Rahmen Seegers Kritik zielt auf einen kultur- und ordnungspolitischen Kurswechsel. Im Raum steht die Frage, ob pandemische Ausnahmeregeln fortgelten sollen – oder ob strengere Leitplanken nötig sind, um den Industriestandort zu stabilisieren.
✅ Fazit Weniger Anreize für ausufernde Fehlzeiten, mehr Verbindlichkeit im Umgang mit Krankheit und Arbeit – so lässt sich der Kern der Forderungen zusammenfassen. Intern setzt der Konzern auf Führung, Auswertung von Mustern und konsequentes Vorgehen gegen Missbrauch; extern ist die Politik gefordert, den Rahmen klar zu justieren.
🗨️ Kommentar der Redaktion Deutschland kann sich eine Lässigkeit bei Krankschreibungen nicht leisten. Pandemische Ausnahmen müssen zügig zurückgenommen werden, sonst verfestigen sich falsche Anreize. Gezielte Kontrollen und arbeitsrechtliche Konsequenzen bei Missbrauch schützen die Leistungsbereiten und stützen die Fairness. Zugleich gilt: Wer krank ist, bleibt zu Hause; wer es nicht ist, gehört an den Arbeitsplatz. Die Politik sollte die Regeln straffen und damit Klarheit schaffen, damit der Industriestandort wieder Maß und Mitte findet.


