📰 Lage im Landkreis Görlitz Im Landkreis Görlitz geht die Zahl der Schülerinnen und Schüler weiter zurück. Anders als in den 1990er Jahren sind jedoch keine flächendeckenden Schulschließungen vorgesehen. Der aktuelle Schulnetzplan stellt die Sicherung der Standorte in den Mittelpunkt und kündigt dafür notwendige Maßnahmen an.
📉 Demografischer Hintergrund Der Rückgang der Schülerzahlen folgt der demografischen Entwicklung in Ostdeutschland. 2023 sank die zusammengefasste Geburtenziffer bundesweit auf 1,35 Kinder je Frau; in Sachsen lag der Rückgang im Ländervergleich besonders hoch bei minus 10 Prozent gegenüber 2022. Schrumpfende Jahrgänge werden die Schullandschaft in der Oberlausitz langfristig prägen.
🧭 Stabilisierung statt Schließungswelle Die Lücken in den Klassen werden in den kommenden Jahren größer, heißt es in der Darstellung. Der Schulnetzplan geht daher von gezielten Eingriffen aus, um die Standorte über die demografische Delle hinweg zu stabilisieren. Das Netz bleibt bestehen; eine Neuauflage der Schließungswelle früherer Jahrzehnte ist ausdrücklich nicht vorgesehen.
🛡️ Konservative Leitplanken Planungssicherheit und Verlässlichkeit haben Vorrang. Standortsicherung ist kein Selbstzweck, sondern muss Unterrichtsqualität, solide Stundentafeln und verlässliche Betreuung gewährleisten. Ressourcen gehören in den Kernauftrag: voll besetzte Klassen, ausreichende Lehrerversorgung, zweckmäßige Gebäudeunterhaltung und robuste Schülerbeförderung im ländlichen Raum. Wo Jahrgänge ausdünnen, braucht es nüchterne Auslastungssteuerung statt Symbolpolitik, mit engem Blick auf Mindeststandards und pädagogische Qualität.
🏛️ Aufgaben der Kommunen Für die Kommunen gilt es, Investitionen zu priorisieren und Doppelstrukturen zu vermeiden. Kooperationen zwischen Schulen, etwa bei Angeboten oberhalb des Pflichtkanons, können Qualität sichern, ohne den Grundsatz wohnortnaher Bildung preiszugeben. Eltern brauchen klare Kommunikation: Weniger Kinder pro Jahrgang sind kein Freibrief für Beliebigkeit, sondern eine Chance, Unterrichtsqualität zu erhöhen und Leistungsansprüche zu schärfen.
🤝 Rolle des Freistaats Die Verantwortung liegt nicht allein beim Landkreis. Der Freistaat muss durch vorausschauende Lehrergewinnung, verlässliche Schulfinanzierung und praktikable Vorgaben zur Mindestzügigkeit Flankenschutz leisten. In strukturschwächeren Regionen entscheidet gelingende Schulpolitik über Bleibeperspektiven junger Familien und damit über die Attraktivität des ländlichen Raums insgesamt.
🎯 Ausblick und Fazit Der Landkreis Görlitz stellt sich dem demografischen Realismus: weniger Kinder, aber stabile Schulstandorte. Damit dieses Versprechen trägt, braucht es konsequente Prioritäten, effiziente Strukturen und ein klares Leistungsversprechen im Unterricht. So kann die Region die Schrumpfungsphase nutzen, um Qualität zu sichern und Vertrauen zurückzugewinnen, dass Schule auch außerhalb der Großstädte verlässlich funktioniert.
🗨️ Kommentar der Redaktion Die Linie ist richtig: Standorte sichern, aber keine pädagogischen Abstriche. Jeder Euro gehört in Lehrkräfte, Stundenpläne und funktionierende Gebäude, nicht in Prestigeprojekte. Wo Klassen kleiner werden, muss konsequent gebündelt und ausgelastet werden, statt Strukturen aus Nostalgie zu konservieren. Mindeststandards sind nicht verhandelbar; wer sie dauerhaft verfehlt, braucht Eingriffe, nicht Ausreden. Der Freistaat steht in der Pflicht, Personal und klare Regeln zu liefern – jetzt, nicht irgendwann.


