🎬 Umbau mit Kinoflair Im Dresdner Waldschlösschen-Areal wird ein traditionsreicher Filmpalast in ein Fitnessstudio umgewandelt. Betreiber ist ein clever fit Franchise um Unternehmer Stefan Lasch, der am Donnerstag, 11. Dezember 2025, zwischen 14 und 20 Uhr zu einem Tag der offenen Tür lädt; der reguläre Betrieb soll im Januar 2026 starten. Der Ansatz: Training in ehemaligen Kinosälen, unter hohen Decken und mit bewusst bewahrtem Kinoflair.
📽️ Historie des Hauses Das Großkino wurde 1997 mit sieben Sälen und insgesamt 1.846 Plätzen eröffnet und firmierte später als Metropolis. Seit 2009 stand der Komplex weitgehend leer – ein städtebaulicher Problemfall, den der jetzige Umbau adressiert.
🛠️ Rückbau und Investition Der Rückbau begann im August 2025, fiel jedoch anspruchsvoller aus als geplant: massiver Stahl im Bestand, fehlende Pläne für Leitungen und der Ausbau betonierter Podeste verzögerten den Zeitplan und trieben die Kosten. Insgesamt fließen laut Betreiber mehr als eine Million Euro in die Revitalisierung; rund 40.000 Euro sind für Videotechnik veranschlagt, um die besondere Atmosphäre zu stützen.
🪑 Erhaltenes Interieur Originalsessel werden im Foyer neu arrangiert, Holzverkleidungen prägen das Bild, und selbst das Umkleidekonzept wurde pragmatisch überarbeitet, um zügige Abläufe zu ermöglichen. Der Ort soll damit wieder zu einem Anziehungspunkt werden – nicht für Premieren, sondern für Pendler und Anwohner mit Trainingsziel.
🏋️ Angebot auf der Fläche Geplant sind rund 1.000 Quadratmeter Trainingsfläche. Herzstück ist eine HYROX-Zone für Kraftausdauer, die nach Angaben des Betreibers in Dresden ein Alleinstellungsmerkmal darstellt. Ergänzt wird das Angebot durch 50 bis 60 Geräte, Freihanteln, Zirkelstationen sowie einen Functional-Bereich mit Trainingstower. Einmal monatlich sind Themenabende vorgesehen, bei denen Klassiker auf der Leinwand laufen – inklusive augenzwinkerndem „Protein-Popcorn“.
- Rund 1.000 m² Trainingsfläche
- HYROX-Zone für Kraftausdauer (Alleinstellungsmerkmal laut Betreiber)
- 50 bis 60 Geräte, Freihanteln und Zirkelstationen
- Functional-Bereich mit Trainingstower
- Monatliche Themenabende mit Klassikern und „Protein-Popcorn“
🕔 Betriebszeiten und Personal Geöffnet werden soll täglich von 5 bis 24 Uhr, betreut von zunächst vier hauptamtlichen Trainern und weiteren Teilzeitkräften. Als Studioleiter ist Friedjoch Schade vorgesehen. Perspektivisch peilt man bis zu 300 Besucher pro Tag an. Beim Tag der offenen Tür wird mit Glühwein geworben; frühe Mitgliederangebote beginnen bei 24,90 Euro im Monat.
📍 Lage und Perspektive Für den Standort sprechen die unmittelbare Büro-Nachbarschaft mit geschätzt rund 3.000 Beschäftigten sowie die gute Anbindung über die Waldschlösschenbrücke. Weitere Flächen im Komplex bleiben zunächst Reserve – für mögliche Kursräume, einen Frauenbereich, eine Sauna oder andere Freizeitangebote. Das Projekt versteht sich als erste Stufe einer breiteren Belebung des Areals.
🏛️ Fazit Die Umnutzung ist städtebaulich sinnvoll: Statt weiteren Leerstands wird ein problematisches Objekt einem öffentlich nachgefragten Zweck zugeführt. Positiv ist, dass Kinogeschichte nicht getilgt, sondern integriert wird. Entscheidend bleibt jedoch die Substanz: solide Betreuung, geordnete Betriebsabläufe, verlässliche Öffnungszeiten und ein tragfähiges Preis-Leistungs-Verhältnis. Der angepeilte Zulauf und die langen Öffnungszeiten verlangen robuste Organisation und Rücksicht auf die Nachbarschaft. Gelingt dies, kann das Projekt beispielhaft dafür stehen, große Bestandsbauten ohne Denkmal-Pathos, aber mit Respekt vor ihrer Geschichte in die Gegenwart zu holen.
🗨️ Kommentar der Redaktion Die Umwidmung des leerstehenden Kinokomplexes ist pragmatisch und folgerichtig. Entscheidend ist nun, dass der Betreiber nicht der Kulisse erliegt, sondern die alltägliche Qualität liefert, die ein solches Haus verlangt. Lange Öffnungszeiten und Hunderte erwartete Nutzer pro Tag sind kein Marketingversprechen, sondern eine Verpflichtung zu Disziplin, Personalpräsenz und klaren Regeln. Preisaktionen zum Start sind nett, doch zählen werden Handwerk, Ordnung und Verlässlichkeit. Wer Kinogeschichte bewahren will, muss sie nicht verklären, sondern respektvoll in einen störungsfreien, sachlichen Betrieb überführen. Gelingt der Beweis, ist das Projekt ein Gewinn – scheitert er, bleibt es ein weiteres Beispiel für große Pläne ohne tragfähige Substanz.


