DAS NEUSTE

🌊 Tiefsee-Bilanz mit Fragezeichen: Industrieversuch in 4.280 Metern Tiefe dämpft Artenvielfalt – und zeigt bislang unbekannte Fülle

🌊 Einordnung Ein groß angelegter Bergbau-Test in der Clarion‑Clipperton‑Zone hat die Tierdichte und Artenvielfalt am Meeresboden messbar reduziert und zugleich eine unerwartet hohe Biodiversität sichtbar gemacht. In 4.280 Metern Tiefe wurden in den Fahrspuren der Maschine eine um 37 Prozent niedrigere Tierdichte und eine um 32 Prozent verringerte Artenzahl festgestellt, insgesamt wurden 788 Arten erfasst. Einige Ergebnisse fallen weniger drastisch aus als befürchtet, doch sie stellen die Belastbarkeit dieser Ökosysteme grundsätzlich in Frage.

🗺️ Region und Rohstoffinteresse Die CCZ zwischen Hawaii und Mexiko gilt als Hotspot für polymetallische Knollen mit Metallen wie Mangan, Nickel und Kobalt und steht daher im Fokus des Tiefseebergbaus. Die nun ausgewerteten Daten stammen aus einem Industrieversuch im NORI‑D‑Gebiet.

🔬 Studiendesign und Aussagekraft Das Forschungsteam nutzte ein Before‑After‑Control‑Impact‑Design, um natürliche Schwankungen von den tatsächlichen Eingriffseffekten zu trennen. Diese Herangehensweise erhöht die Robustheit der Befunde und schafft eine fundierte Grundlage für die Bewertung der Eingriffe.

💼 Finanzierung und Transparenz Die Arbeiten wurden von einer Branchenfirma über eine Tochtergesellschaft finanziert. Laut Publikation hatten die Geldgeber keinen Einfluss auf Analyse und Darstellung, dennoch bleibt die potenzielle Interessenkollision ein relevanter Faktor und unterstreicht die Notwendigkeit unabhängiger Replikation.

🛠️ Versuchsrahmen und Datengrundlage Der Kollektor befuhr eine Testfläche von etwa 2×4 Kilometern, hob über 3.000 Tonnen Knollen und überquerte insgesamt rund 80 Kilometer Meeresboden. Proben wurden über zwei Jahre vor dem Eingriff erhoben, weitere folgten zwei Monate danach. Die Datengrundlage umfasst zehntausende Individuen aus Boxcorer‑Proben, identifiziert bis auf Artniveau.

📉 Direkte Eingriffe im Fahrkorridor Innerhalb der Fahrspuren sanken Tierdichte und Artenzahl deutlich um 37 beziehungsweise 32 Prozent. Der unmittelbare mechanische Schaden ist damit klar nachweisbar und ökologisch signifikant.

🌫️ Effekte der Sedimentfahnen In Bereichen, die vom Sedimenteintrag betroffen waren, zeigte sich kurzfristig keine signifikante Abnahme der Gesamtdichte. Allerdings verschoben sich die Dominanzverhältnisse, die Gemeinschaft wurde unausgewogener und die Biodiversität sank über die Gleichverteilung. Diese Unterscheidung zwischen direktem Mechanikeinfluss und subtileren Plumeneffekten ist für Genehmigungsverfahren zentral.

🐙 Unerwartete Vielfalt Die Erfassung von 788 Arten, darunter viele bislang unbeschriebene, verdeutlicht die unzureichende taxonomische Erschließung der Tiefsee-Fauna. Eingriffe bergen damit das Risiko, unbekannte und möglicherweise spezialisierte Arten zu verlieren.

🏛️ Politische Implikationen Aus den Befunden ergibt sich weder Entwarnung noch Alarmismus, aber ein konservatives Gebot der Vorsicht. Erforderlich sind längerfristige Monitoring‑Serien über Jahre bis Jahrzehnte, unabhängige Studien zur Verifizierung und die Überprüfung sowie gegebenenfalls Nachschärfung von Schutz- und Nutzungszonen auf Basis belastbarer Arteninventare.

✅ Schlussfolgerung Die Tiefsee erweist sich als reicher und verletzlicher als vielfach angenommen. Wer dort wirtschaften will, trägt die Beweislast, dass dies ohne irreparable Verluste möglich ist.

🗨️ Kommentar der Redaktion Die Daten legen nahe, dass technischer Zugriff in der Tiefsee sofortige und strukturelle Schäden verursacht, deren Tragweite noch nicht abschließend erfasst ist. Solange die Erholung über Jahre oder Jahrzehnte nicht belegt ist, verbieten sich voreilige Freigaben. Industriegeförderte Resultate können wertvoll sein, sie dürfen jedoch nicht allein die Grundlage politischer Entscheidungen bilden. Genehmigungen müssen an unabhängige Replikation, robustes Monitoring und klare Schutzstandards gebunden werden. Vorsicht ist hier keine Option, sondern Pflicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht verĂśffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Aktuelle Nachrichten

Folg uns

Folg uns auf Social Media

Verpasse keine News und Updates – folge uns jetzt!

Täglich aktuelle Nachrichten aus Zittau, der Oberlausitz und ganz Deutschland

Zittauer Zeitung | Echt. Lokal. Digital.