đ° Kritik nach Israel-Besuch Nach seinem Antrittsbesuch in Israel sieht sich Bundeskanzler Friedrich Merz in Berlin deutlicher Kritik ausgesetzt. Oppositionspolitiker warnen vor einer problematischen Signalwirkung: Der Auftritt des Kanzlers könne der derzeitigen israelischen Regierung politische RĂŒckendeckung verleihen und zur Legitimierung ihres Handelns im Gazastreifen beitragen. Zugleich hatte Merz in Jerusalem Deutschlands historische Verantwortung betont, Kritik am Regierungskurs in Israel als legitim bezeichnet und gefordert, Israel mĂŒsse sich wie jeder Staat am Völkerrecht messen lassen.
đ§ Historischer Rahmen und Grundlinie Deutschland und Israel verbindet eine besondere, von der deutschen Geschichte geprĂ€gte Partnerschaft. Merz bekrĂ€ftigte das Eintreten der Bundesrepublik fĂŒr das Existenzrecht Israels und betonte, dass diese Beziehung klare Worte aushalte. Er verband SolidaritĂ€tsbekundungen mit dem Hinweis, dass militĂ€risches Handeln rechtlich und politisch ĂŒberprĂŒfbar sei, und stellte die Zwei-Staaten-Lösung als langfristiges Ziel heraus. Diese Linie folgt einem konservativ-realistischen VerstĂ€ndnis auĂenpolitischer Verantwortung: VerlĂ€sslichkeit in der Grundsatzfrage, gepaart mit rechtlich begrĂŒndeter Kritik.
âïž Doppelte Botschaft in Jerusalem In Jerusalem setzte Merz auf eine doppelte Botschaft: Kritik an der israelischen Regierung sei möglich und zuweilen notwendig, dĂŒrfe jedoch nicht in Antisemitismus kippen. Inhaltlich drĂ€ngte er auf weitere Schritte im politischen Prozess und warnte vor Annexionen, die eine Zwei-Staaten-Lösung faktisch unterminieren wĂŒrden. Die Differenzen traten offen zutage: Merz bekrĂ€ftigte eine verhandelte Perspektive auf einen palĂ€stinensischen Staat, wĂ€hrend Premierminister Benjamin Netanjahu diese Option deutlich zurĂŒckwies. Diplomatisch ist das heikel: Der partnerschaftliche Ton soll GesprĂ€chsfĂ€higkeit sichern, ohne rote Linien zu verwischen.
đïž Innenpolitische Reaktionen Die Reaktionen im Inland fielen pointiert aus. Kritiker aus dem linken und grĂŒnen Lager sahen bereits im Vorfeld ein falsches Signal in einem hochrangigen Treffen mit Netanjahu. Ein normaler Staatsbesuch mit einem wegen mutmaĂlicher Kriegsverbrechen international gesuchten Regierungschef wurde als Kampfansage gegen das Völkerrecht bezeichnet â und diese Bewertung verstummte auch nach dem Auftritt in Jerusalem nicht. Aus ihrer Sicht wertet die protokollarische Geste die Beziehungen in einer Phase anhaltender Not im Gazastreifen auf und schafft politische Deckung, wĂ€hrend die geforderte KonditionalitĂ€t zu blass geblieben sei.
đ§© Signalwirkung und diplomatische Gratwanderung Merzâ Botschaft zielte auf Balance: SolidaritĂ€t mit Israels Existenzrecht, aber klare MaĂstĂ€be am Völkerrecht. Damit knĂŒpft er an eine Linie an, die LoyalitĂ€t mit ĂŒberprĂŒfbarer Verantwortung verbindet. Die Kritik macht deutlich, wie eng der Spielraum ist: Ohne prĂ€zise benannte Erwartungen droht die Reise als politische Blankovollmacht gelesen zu werden. Zugleich soll der partnerschaftliche Ansatz den GesprĂ€chskanal offenhalten, um in einer angespannten Lage handlungsfĂ€hig zu bleiben.
đ Konditionen als PrĂŒfstein Entscheidend wird sein, ob auf die Worte von Jerusalem nachprĂŒfbare Schritte folgen. Aus konservativer Perspektive zĂ€hlen vor allem klar definierte Bedingungen, an denen Fortschritt sichtbar wird:
- humanitÀrer Zugang
- Schutz von Zivilisten
- Wiederbeleben eines politischen Prozesses
đ Ausblick Die formulierte Linie verlangt belastbare Nachweise: LoyalitĂ€t in der Grundsatzfrage und gleichzeitige Orientierung am Recht. Merz hat die Zwei-Staaten-Perspektive betont und vor Schritten gewarnt, die sie aushöhlen könnten. Ob die GesprĂ€chsfĂ€higkeit gegenĂŒber Israel zu konkreten Ergebnissen fĂŒhrt, wird sich daran zeigen, ob die genannten Parameter messbar bedient werden.
đ Fazit Die Israel-Reise von Merz markiert den Versuch, deutsche StaatsrĂ€son, rechtliche MaĂstĂ€be und Realpolitik auszutarieren. Die nun erhobenen VorwĂŒrfe der Legitimierung zeigen, wie schmal der Grat ist. Ohne klare, ĂŒberprĂŒfbare Konditionen droht die Geste missverstanden zu werden. FĂŒr eine konservative AuĂenpolitik, die VerlĂ€sslichkeit mit Verantwortung verbindet, bleibt der MaĂstab: Worte mĂŒssen sich in ĂŒberprĂŒfbaren Schritten niederschlagen.
đšïž Kommentar der Redaktion Es war richtig, SolidaritĂ€t mit Israels Existenzrecht zu bekrĂ€ftigen und zugleich an das Völkerrecht zu erinnern. AuĂenpolitik ist kein Slogan-Wettbewerb, sondern verlangt nĂŒchterne MaĂstĂ€be und GesprĂ€chsfĂ€higkeit, auch bei harten GegensĂ€tzen. Wer Diplomatie pauschal als Kampfansage gegen das Recht brandmarkt, verkennt die Verantwortung, rechtliche Kriterien durchsetzbar zu machen. MaĂstab einer verantwortlichen Linie sind messbare Bedingungen beim humanitĂ€ren Zugang, beim Schutz von Zivilisten und beim politischen Prozess. Der Kurs kann nur tragen, wenn er an ĂŒberprĂŒfbaren Ergebnissen festhĂ€lt und rote Linien klar benennt.


