🧭 Europas Bewährungsprobe: Trumps Sicherheitsdoktrin stellt Verbündete infrage

🌍 Schockwellen in Europa Die in Washington vorgelegte Nationale Sicherheitsstrategie der USA hat einen Sturm der Reaktionen ausgelöst. In den Leitlinien, die US-Präsident Donald Trump am Donnerstag, 4. Dezember 2025, präsentierte, wird Europas politischer Kurs scharf kritisiert und künftige Unterstützung an Bedingungen geknüpft. Mehrere große Tageszeitungen auf dem Kontinent werten das Papier als Zäsur im transatlantischen Verhältnis bis hin zur Einstufung Europas als strategischer Gegner.

🧭 Prämisse America First Das Dokument folgt der Prämisse „America First“. Aus Sicht Washingtons haben frühere Strategien US-Interessen vernachlässigt, während amerikanische Steuerzahler die Sicherheit anderer finanzierten. „Vorbildliche Verbündete“ Israel, Südkorea, Polen, zunehmend Deutschland sowie die baltischen Staaten könnten weiterhin auf besondere Unterstützung zählen. Parallel diagnostiziert die US-Regierung dem europäischen Kontinent strukturelle Defizite: eine fehlgeleitete Einwanderungspolitik, Einschränkungen der freien Meinungsäußerung, sinkende Geburtenraten und einen Verlust an Identität.

🏛️ Widerspruch und Beschwichtigung Aus Brüssel und Berlin kam umgehend Widerspruch und Beschwichtigung. Deutschlands Außenminister Johann Wadephul (CDU) verwarf Belehrungen zur Meinungsfreiheit, die EU-Kommission wies pauschale Vorwürfe zurück. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas bemühte sich zugleich um Deeskalation: Die Vereinigten Staaten seien „immer noch unser größter Verbündeter“, sagte sie am Wochenende.

📰 Pressestimmen aus Europa Die europäischen Kommentare zeichnen ein ernstes, aber nicht hoffnungsloses Bild. Die Neue Zürcher Zeitung sieht die USA im Indopazifik weiterhin als verlässlichen Partner, konstatiert für Europa jedoch eine Politik, die die liberalen Demokratien schwächt und Russland nützt. Ein bislang verdrängtes Szenario wird damit denkbar: Trump treibe die Europäer in der Frage von Krieg und Frieden auseinander. Der Tenor: weniger Empörung, mehr Selbstbehauptung, europäische Einheit und politisches Format.

🇮🇹 Sicht aus Italien La Stampa interpretiert die US-Doktrin als klare Herabstufung Europas vom Verbündeten zum Gegner, den es zu spalten gilt. Die angemessene Antwort sei, die eigenen Kräfte zu bündeln: geopolitische Handlungsfähigkeit, beschleunigte Wiederaufrüstung und konsequente Unterstützung der Ukraine, auch durch den Zugriff auf eingefrorene russische Vermögenswerte.

🇷🇺 Resonanz in Russland In Russland stößt die US-Strategie auf bemerkenswerten Zuspruch. Die regierungsnahe Rossijskaja Gaseta spricht von einer „revolutionären“ Neuausrichtung und betont, Russland werde nicht länger als unmittelbare Bedrohung definiert. Zugleich nimmt das Blatt EU-Vertreter ins Visier und sagt frostigere US-EU-Beziehungen voraus mit dem Ziel, strategische Stabilität mit Moskau wiederherzustellen.

🇩🇪 Deutsche Lehren Auch deutsche Leitmedien ziehen Konsequenzen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung warnt, das europäische Nachkriegswerk aus Frieden und Wohlstand sei gefährdet, wenn ein Rückfall in nationales Konkurrenzdenken den Binnenzusammenhalt erodiere. Kritik aus Washington sei nicht per se falsch – Europa müsse eigene Schwächen beheben. Das Handelsblatt rückt die sicherheitspolitische Realität in den Fokus: Mit der Abkehr der USA von der Rolle des Schutzgaranten wachse Deutschland in eine Führungsaufgabe hinein, die eine materiell unterlegte Wehrhaftigkeit der Bundeswehr und verlässliche europäische Lastenteilung voraussetzt.

📌 Konsequenzen für Europa Trumps Sicherheitsstrategie ist mehr als Rhetorik; sie markiert einen Kurswechsel mit unmittelbaren Folgen für Europas Sicherheit und Souveränität. Für konservative Realisten ergibt sich daraus ein klarer Doppelauftrag: erstens, die transatlantische Partnerschaft nüchtern zu stabilisieren, wo gemeinsame Interessen bestehen; zweitens, die europäische Eigenverantwortung rasch und messbar auszubauen – finanziell, industriell und militärisch. Europas Antwort darf weder in symbolischer Empörung noch in fatalistischer Abhängigkeit bestehen. Gefragt sind strategische Prioritäten, geschlossene Entscheidungsfähigkeit und die Bereitschaft, sicherheitspolitische Zusagen ohne amerikanische Sicherheitsgarantie einzulösen, um eine selbsterfüllende Prophezeiung zu vermeiden.

🗨️ Kommentar der Redaktion Die neue US-Doktrin entlarvt europäische Selbstzufriedenheit und verlangt eine nüchterne Antwort: weniger Pose, mehr Leistungsfähigkeit. Wer Europas Sicherheit will, muss die eigene Wehrhaftigkeit materiell untermauern, verlässliche Lastenteilung organisieren und Führung übernehmen statt Empörung zu inszenieren. Die transatlantische Partnerschaft bleibt wichtig, aber ohne Illusionen und ohne Blankoschecks. Deutschland und die EU sollten ihre Schwächen korrigieren, die Einheit wahren und Zusagen einlösen – auch dann, wenn Washington sich zurücknimmt. Dazu gehört, Prioritäten zu setzen, die Ukraine konsequent zu unterstützen und die eigene Handlungsfähigkeit zügig zu stärken.

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