🏭 Strukturwandel nimmt Gestalt an Sachsens Strukturwandel nimmt konkrete Gestalt an: Der Chiphersteller GlobalFoundries in Dresden und der Lausitzer Energiekonzern LEAG bereiten ein Pilotprojekt vor, um Beschäftigte aus der Braunkohle für die Arbeit im Reinraum zu qualifizieren. Der Brückenschlag von Boxberg nach Dresden soll zeigen, dass industrielle Tradition und Hochtechnologie zusammenfinden können – mit Chancen, aber auch offenen Flanken.
📍 Hintergrund Die Lausitz war über Jahrzehnte von Tagebau und Kraftwerken geprägt; Boxberg steht sinnbildlich für diese Ära. Dresden wiederum hat sich als europäischer Halbleiterstandort etabliert. Dass beide Welten nun näher rücken, folgt der Logik des Strukturwandels: sapere aude – aber mit nüchternem Blick auf Machbarkeit, Qualifikationswege und die Realität der Betriebe. Für die Region ist entscheidend, ob neue industrielle Anker tatsächlich ausreichend qualifizierte, tariflich wettbewerbsfähige und langfristig belastbare Jobs schaffen.
🧪 Testlauf und Umfang Kern des Vorhabens ist ein Testlauf: Zunächst sollen zehn LEAG-Beschäftigte für drei Monate zu GlobalFoundries wechseln und dort gezielt für die Chipproduktion ausgebildet werden. Die Teilnahme ist freiwillig; der Start ist für das erste Quartal 2026 vorgesehen. Damit werden erste Erfahrungen gesammelt – von Reinraumregeln über Prozessdisziplin bis zu Schicht- und Qualitätsmanagement –, bevor über einen breiteren Rollout entschieden wird.
⚙️ Transfer technischer Kompetenzen Aus Sicht der Partner steht dahinter der Versuch, technisches Grundverständnis aus der Energiebranche in die standardisierte, hochregulierte Halbleiterfertigung zu übertragen.
📊 Messbare Kriterien Maßstab für Erfolg sind am Ende nicht Ankündigungen, sondern bestandene Qualifizierungen, stabile Einsatzpläne und eine geringe Abbruchquote.
❓ Offene Fragen Kritisch zu klären bleibt, wie Auswahl, Betreuung und Nachqualifizierung organisiert werden und wer welche Lasten trägt.
- Welche Vorkenntnisse sind Mindestvoraussetzung?
- Wer übernimmt die Kosten für Schulung sowie mögliche Pendel- oder Umzugslasten zwischen Lausitz und Dresden?
- Wie werden Arbeitsschutz und Reinraumtauglichkeit medizinisch flankiert?
- Welche tarifliche Einstufung und welche Perspektiven im Schichtsystem gelten?
🧭 Konservativer Fahrplan Der Schritt „von der Braunkohle in den Reinraum“ ist mehr als ein Bild – er ist ein Test auf industrielle Ernsthaftigkeit. Konservativ gedacht heißt das: kleine, überprüfbare Schritte, klare Zuständigkeiten, transparente Finanzierung und belastbare Erfolgskennzahlen.
🚦 Ausblick Gelingt dies, kann die Verbindung von Boxberg und Dresden ein Beispiel für gelingende Transformation werden; misslingt es, bleibt sie eine gut gemeinte Episode. Jetzt zählt Umsetzung statt Überschrift.
🗨️ Kommentar der Redaktion Das Vorhaben verdient Unterstützung, solange es mit Maß und Mitte umgesetzt wird. Entscheidend sind belastbare Qualifizierungen, tariflich wettbewerbsfähige Bedingungen und klare Verantwortlichkeiten; ohne diese bleibt es Symbolpolitik. Die Partner sollten vor dem Start Kostentragung, medizinische Tauglichkeit und Schichtperspektiven transparent regeln. Ein späterer Rollout hat nur Sinn, wenn der Testlauf geringe Abbruchquoten und stabile Einsatzpläne vorweist. Kurz: Umsetzung vor Überschrift, Substanz vor PR.


