DAS NEUSTE

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🧵 Rekordwirbel im All: Forscher melden rotierendes Galaxien‑Filament von rund 50 Millionen Lichtjahren

🔭 Entdeckung Ein internationales Team hat eine der größten bislang beobachteten rotierenden Strukturen im Universum identifiziert: ein rund 50 Millionen Lichtjahre langes kosmisches Filament aus Hunderten Galaxien, das eine kohärente Drehbewegung zeigt. Eingebettet darin liegt eine messerscharfe Kette aus 14 wasserstoffreichen Galaxien von gut 5,5 Millionen Lichtjahren Länge. Die Rotationsgeschwindigkeit des Systems wird auf etwa 110 Kilometer pro Sekunde geschätzt. Grundlage sind Radiodaten des südafrikanischen Arrays MeerKAT; die Ergebnisse wurden am 4. Dezember 2025 vorgestellt.

🧭 Hintergrund Kosmische Filamente bilden die tragenden Leitplanken des großräumigen Universums: In diesen fadenförmigen Strukturen aus Galaxien und Dunkler Materie fließen Gas und Drehimpuls bevorzugt in Richtung der Galaxien. Dass eine derart ausgedehnte Struktur als Ganzes rotiert und gleichzeitig viele ihrer Galaxien denselben Drehsinn zeigen, deutet darauf hin, dass großskalige Materieströme die Spins von Galaxien mitprägen – stärker und länger anhaltend, als es einfache Standardannahmen erwarten lassen.

📡 Beobachtungsmethode und Datenbasis Die Forschenden kartierten das neutrale Wasserstoffgas (HI) in 14 nahegelegenen, gasreichen Galaxien, die wie an einer dünnen Schnur aufgereiht sind. Die Datengrundlage stammt aus dem tiefen Radiohimmelssurvey MIGHTEE mit MeerKAT; zur räumlichen Einbettung wurden optische Messungen des Dark Energy Spectroscopic Instrument (DESI) und der Sloan Digital Sky Survey (SDSS) kombiniert.

🌀 Rotationssignatur Anhand der gegensinnigen Bewegungen beider Seiten des Filamentschmals schließen die Autorinnen und Autoren auf eine Rotation der Gesamtstruktur. Die dichte Kernzone des Filaments wird mit einem Radius von ungefähr 50 Kiloparsec, also rund 163.000 Lichtjahren, angegeben.

🧊 Dynamisch kalter Zustand Auffällig ist der dynamisch kalte Zustand des Systems: Viele Galaxien sind reich an Wasserstoff – ein Indiz für anhaltende Gaszufuhr und damit Potenzial für Sternentstehung –, und die internen Relativbewegungen bleiben vergleichsweise gering. Das spricht für eine junge, bislang wenig gestörte Struktur.

🌌 Übergeordnetes Filament Über die Kette hinaus identifizierte das Team ein übergeordnetes Filament mit mehr als 280 weiteren Galaxien und einer Gesamtausdehnung von etwa 50 Millionen Lichtjahren. Bemerkenswert ist die Doppelbewegung: Zahlreiche einzelne Galaxien rotieren – und zugleich zeigt das Filament als Ganzes eine Drehung um seine Längsachse.

🧲 Drehimpuls über große Skalen Die Kopplung aus Galaxiendrehung und Filamentrotation liefert eine beobachtbare Spur dafür, wie Drehimpuls über viele Millionen Lichtjahre hinweg übertragen und in Galaxien eingeschrieben wird.

📈 Bedeutung und mögliche Folgen Sollten sich die Befunde verallgemeinern, hätte dies Folgen von der Galaxienentstehung bis zur Kosmologie. Großskalige Spin-Ausrichtungen könnten künftige Präzisionsmessungen schwacher Gravitationslinsen, etwa mit Euclid und dem Vera C. Rubin Observatory, systematisch beeinflussen.

⚖️ Nüchterne Einordnung Die Rotationssignatur beruht auf sorgfältig modellierten Geschwindigkeitsfeldern einer begrenzten Zahl gut vermessener Galaxien. Unabhängige Bestätigungen an weiteren Objekten sind der nächste Prüfungsschritt. Für den Moment steht fest: Die Analyse macht ein bis zu 50 Millionen Lichtjahre ausgedehntes, rotierendes Filament sichtbar und eröffnet einen seltenen, datenbasierten Blick auf die Drehdynamik des kosmischen Netzes.

🗨️ Kommentar der Redaktion Das Ergebnis ist bemerkenswert, verlangt aber Zurückhaltung. Eine begrenzte, wenn auch präzise Stichprobe reicht nicht, um gängige Modelle vorschnell umzuschreiben. Erst konsistente Wiederholungen an weiteren Filamenten werden zeigen, ob hier ein generelles Prinzip sichtbar wird. Zwischen medienwirksamen Kurzberichten und harter Evidenz liegt eine große Lücke, die sorgfältige Nachprüfungen schließen müssen. Sollte sich die Kopplung von Filament- und Galaxiendrehungen bestätigen, wäre das ein solides Fundament für neue Modelle – kein Anlass für vorschnelle Superlative.

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