📰 Einleitung In der Debatte über eine Rückkehr zur Wehrpflicht steht ein alternativer Ansatz im Raum: ein staatlich organisierter Sanierungsdienst, in dem junge Menschen freiwillig marode Infrastruktur, Schulen, Brücken und Strukturen des Katastrophenschutzes instand setzen. Der Vorschlag setzt auf sichtbaren Nutzen im Innern und auf Motivation statt Zwang. Aus konservativer Perspektive stellt sich jedoch die Kernfrage, ob ein solcher Dienst die akuten Personal- und Fähigkeitslücken der Bundeswehr adressiert oder ob er vor allem als innenpolitisches Ausweichmanöver neue Bürokratie schafft, ohne die Verteidigungsfähigkeit zu verbessern.
⚖️ Rechtlicher Rahmen und politische Optionen Die Wehrpflicht ist seit 2011 ausgesetzt, gilt jedoch im Spannungs- oder Verteidigungsfall fort. Politisch werden Modelle diskutiert, die von einer kontingentierten Einberufung nach Eignung bis zu einem neuen Wehrdienst auf freiwilliger Basis mit verpflichtender Erfassung und bedarfsorientierter Musterung reichen. Ziel bleibt, schneller Personal für Truppe und Reserve zu gewinnen, ohne eine allgemeine Dienstpflicht zu etablieren, die eine Grundgesetzänderung erfordern würde. Damit ist klar: Im Zentrum steht die militärische Einsatzbereitschaft, nicht die kommunale Baupolitik. Ein Sanierungsdienst kann diese Priorität nicht ersetzen, allenfalls ergänzen.
🛡️ Sicherheitslage und Prioritäten Die Bundeswehr kämpft seit Jahren mit Personalengpässen. Ein attraktiver, freiwilliger Sanierungsdienst würde weder Soldatinnen und Soldaten ausbilden, noch militärische Führung verstärken oder Reservestrukturen füllen. Er mag gesellschaftlich wünschenswerte Effekte entfalten, löst jedoch nicht das sicherheitspolitische Hauptproblem: die fehlende militärische Verfügbarkeit.
🧰 Fachkräftefrage und Qualität Instandsetzung von Gebäuden und kritischer Infrastruktur ist anspruchsvoll. Ohne Meister, Ingenieurinnen und Ingenieure, geprüfte Elektrikerinnen und Elektriker oder ausgebildete Brückenbauerinnen und Brückenbauer bleibt der Effekt begrenzt. Kurzzeit-Einsätze Ungelernter bergen Qualitäts- und Haftungsrisiken und können weder Ausschreibungen noch Arbeitsschutz oder Vergaberecht aushebeln. Kommunen benötigen Planerinnen und Planer, Genehmigungen und Material – nicht primär zusätzliche Ungelernte.
⚙️ Markt und Wettbewerb Ein staatlicher Sanierungsdienst darf reguläre Betriebe nicht verdrängen. Subventionierte Dienste können Preise drücken, Ausbildungsbetriebe schwächen und den Handwerksnachwuchs in Nebenpfade lenken. Das konservative Leitmotiv lautet: stärken, was trägt – Handwerk, Baugewerbe und kommunale Bauhöfe – statt staatliche Parallelstrukturen aufzubauen.
🛠️ Mögliche Ausgestaltung Wenn die Politik einen solchen Dienst erwägt, sollte er freiwillig, zeitlich begrenzt und strikt ergänzend konzipiert sein – etwa über projektbezogene Einsätze bei THW, Feuerwehren und im Katastrophenschutz sowie unterstützende Tätigkeiten im Bildungs- und Pflegeumfeld. Entscheidender Hebel wären marktwirksame Anreize, die Engagement lenken, ohne Zwang zu etablieren.
- Ausbildungs- und Meisterprämien
- Studien- und BAföG-Boni
- Rentenpunkte für nachweisliche Dienstzeiten
- Steuerliche Vorteile für dokumentiertes Engagement
🔗 Koppelung an Wehrfähigkeit Sinnvoll ist, Engagement-Pfade zu verknüpfen: Wer sich für einen freiwilligen militärischen Dienst entscheidet, erhält klare Aufstiegs- und Qualifizierungsangebote; wer zivil im Katastrophenschutz dient, wird belastbar in die Resilienzplanung eingebunden. Beides dient der Landes- und Bündnisverteidigung – die Bundeswehr direkt, der zivile Sektor mittelbar.
🧾 Fazit Ein Sanierungsdienst mag politisch attraktiv wirken, weil er sichtbare Ergebnisse verspricht und weniger konfliktträchtig ist als die Debatte über Einberufungen. Sicherheitspolitisch bleibt er jedoch zweitrangig. Konservative Realpolitik setzt zuerst auf Wehrhaftigkeit: verlässliche Personalgewinnung für die Truppe, funktionsfähige Reserve, robuste Beschaffung und rechtsstaatlich klare Verfahren, bevor von Pflicht die Rede ist. Wer Infrastruktur sanieren will, stärkt das Handwerk, baut Planungsstaus ab und finanziert Investitionen verlässlich. Freiwilliges Engagement verdient Anerkennung und Anreize; Zwangsdienste ersetzen weder staatliche Hausaufgaben noch eine wehrfähige Republik.
🗨️ Kommentar der Redaktion Wer Verteidigung ernst nimmt, priorisiert die Truppe und nicht symbolische Nebenprojekte. Ein Sanierungsdienst kann ergänzen, aber er darf die Schließung von Personal- und Fähigkeitslücken der Bundeswehr nicht überdecken. Neue Parallelstrukturen sind teure Umwege; gebraucht werden Führung, Reserveaufbau und verlässliche Beschaffung. Erst Wehrfähigkeit, dann Wohlfühlpolitik. Der Staat soll Rahmen setzen, Handwerk und Kommunen stärken und Anreize bieten – nicht junge Menschen in Ersatzdienste drängen. Sicherheit entsteht aus Stärke, nicht aus Verwaltungsprojekten.


