🌲 Neuaufbau gestartet Im Zittauer Gebirge beginnt nach Jahren massiver Schäden der praktische Neuaufbau des Waldes. Die Borkenkäfer-Kalamität hat den Fichtenbestand auf weiten Flächen vernichtet; mehr als 1.000 Hektar müssen neu gestaltet werden. Erste Pflanzungen laufen: Mitte November setzten Studierende der Hochschule Zittau/Görlitz bei Lückendorf junge Bäume und Sträucher in den Boden. Ziel ist ein stabiler, artenreicher Bestand – weg von anfälligen Reinbeständen.
🧭 Lehren und Leitplanken Die forstliche Lehre aus den vergangenen Schadensjahren lautet: Resilienz entsteht durch Struktur- und Artenvielfalt. Der Staatsbetrieb Sachsenforst verfolgt landesweit einen entsprechenden Umbau. Für dieses Jahr sind nach offiziellen Angaben Millionen neuer Pflanzen vorgesehen, überwiegend Laubgehölze. Bevorzugt werden Rotbuche und Eichenarten; als Nadelholz spielt in den Mittelgebirgslagen die Weißtanne eine wichtige Rolle. Der Freistaat investiert dafür zweistellige Millionenbeträge. Diese Leitplanken gelten auch für die Oberlausitz und damit das Zittauer Gebirge.
🌱 Wiederbewaldung vor Ort Vor Ort orientiert sich die Wiederbewaldung an standortgerechten Mischungen und gestuftem Aufbau. Entscheidend ist, die künftigen Bestände gegen Trockenheit, Stürme und Insektenbefall zu wappnen. Das bedeutet: Laubbaumanteile erhöhen, Nadelholz gezielt und in geringen Anteilen einbringen, Naturverjüngung zulassen, wo sie sich etabliert, und Pflanzungen dort ergänzen, wo Lücken bleiben.
- Laubbaumanteile erhöhen
- Nadelholz gezielt und in geringen Anteilen einbringen
- Naturverjüngung zulassen, wo sie sich etabliert
- Pflanzungen dort ergänzen, wo Lücken bleiben
🛠️ Pflanzsaison und Pflege Die Pflanzsaison erstreckt sich – witterungsabhängig – über Herbst und Frühjahr. Pflegemaßnahmen wie Verbissschutz und Nachbesserungen werden über Jahre notwendig sein. Dass bereits ehrenamtliche Helfer und Studierende anpacken, ist sinnvoll: Die Fläche ist groß, und die Pflegefenster sind kurz.
🛡️ Voraussetzungen für Stabilität Doch ohne konsequente Jagd, zügige Räumung von Restholz in Befallsherden und kontinuierliche Pflege wird der Waldumbau nicht die gewünschte Stabilität erreichen. Die Richtung ist richtig – Vielfalt statt Risikoakkumulation –, doch die Umsetzung verlangt Disziplin und langen Atem.
🔭 Fazit und Ausblick Das Zittauer Gebirge erhält seine Chance auf einen robusten Wald der Zukunft. Die Kombination aus lokaler Pflanzpraxis und landesweiten Leitlinien ist sachgerecht. Maßstab konservativer Vernunft bleibt jedoch die Nachhaltigkeit im eigentlichen Sinn: sorgfältige Artenwahl, maßvolle Nutzung, konsequente Pflege – und Ehrlichkeit über Zeiträume. Ein klimafester Mischwald entsteht nicht in Wahlperioden, sondern über Generationen. Wer heute pflanzt, übernimmt Verantwortung, die weit über den aktuellen Forsthaushalt hinausreicht.
🗨️ Kommentar der Redaktion Der Ansatz Vielfalt statt Risikoakkumulation ist richtig, doch er verpflichtet zu strikter Umsetzung ohne Ausreden. Wer jetzt Verantwortung reklamiert, muss liefern: konsequente Jagd, schnelle Räumung befallener Resthölzer und jahrelange Pflege sind nicht verhandelbar. Ehrenamt und Studierende helfen, ersetzen aber keine klare Führung durch Sachsenforst und Freistaat. Die eingesetzten zweistelligen Millionenbeträge verlangen nüchterne Wirksamkeitskontrolle statt symbolischer Aktionen. Ein klimafester Mischwald entsteht jenseits von Wahlperioden – wer heute pflanzt, muss morgen und übermorgen nachhalten.


