DAS NEUSTE

🧭 Amazonien im Fokus: Lidar-Funde befeuern Debatte um Percy Fawcetts „Stadt Z“

🛰️ Lidar-Funde im Amazonas Neue Fernerkundungsdaten aus dem ecuadorianischen Amazonasgebiet beleben die hundert Jahre alte Suche nach der sagenumwobenen Stadt Z, ohne einen Nachweis zu erbringen. Ein Forschungsteam kartierte per Lidar ein dichtes Netz vor- und frühgeschichtlicher Siedlungen mit Straßen, Plattformen und Kanälen. Das Ergebnis deutet auf komplexe, planvoll angelegte Urbanität im Regenwald hin, deutlich früher, als bislang vermutet. Die Funde stellen das Bild eines weitgehend unberührten, nur dünn besiedelten Amazonien in Frage, während Archäologen zugleich vor vorschnellen Gleichsetzungen mit der Legende Z warnen.

🧭 Legende und historische Suche Die Idee von Stadt Z ist eng mit dem britischen Offizier und Entdecker Percy Harrison Fawcett verbunden, der in den 1910er- und 1920er-Jahren im brasilianischen Regenwald nach Spuren einer hochentwickelten, verschollenen Stadt forschte. 1925 brach er zu einer letzten Expedition auf und verschwand, was die Debatte um urbane Zentren in Amazonien befeuerte. Während Fawcett eher monumentale Steinbauten erwartete, lenkten spätere Arbeiten den Blick zunehmend auf erdbauliche, organische Stadtformen, die sich grundlegend von mediterranen oder andinen Steinstädten unterscheiden.

🗺️ Upano-Tal im Fokus Lidar-Daten aus dem Upano-Tal in Ost-Ecuador zeigen ein System aus Siedlungen, Verkehrsachsen und Bewässerungsstrukturen, das über etwa ein Jahrtausend bestand, von circa 500 vor Christus bis 300 bis 600 nach Christus. Sichtbar wurden tausende rechteckige Erdhügel und Plätze, verbunden durch schnurgerade Wege, teils bis zu zehn Meter breit und über Distanzen von zehn bis zwanzig Kilometern geführt. Konservative Schätzungen gehen von mindestens 10.000 Einwohnern aus, Spitzenwerte könnten deutlich höher gelegen haben. Diese Struktur belegt eine differenzierte, arbeitsteilige Gesellschaft in einer Region, die lange als zu unwirtlich für großräumige Urbanität galt.

🧱 Erdwerke statt Steinmetropole Fachleute sehen im Nachweis urbaner Strukturen in Amazonien eine Stütze für den Kern der Z-Hypothese: Fawcett lag möglicherweise in der Annahme einer hochentwickelten Kultur richtig, jedoch in der Vorstellung einer steinernen Metropole falsch. Die nun sichtbaren Anlagen sind Erdwerke, deren Architektur aus Plattformen, Gräben und Kanälen auf lokale Umweltanpassung und nachhaltige Ressourcennutzung hinweist. Zugleich liegt das Upano-Tal außerhalb der Regionen, in denen Fawcett suchte, weshalb eine direkte Identifikation mit Stadt Z nicht angezeigt ist.

🔦 Methodensprung durch Lidar Der Einsatz von Lidar (Light Detection and Ranging) markiert methodisch einen deutlichen Fortschritt. Laserimpulse durchdringen das Blätterdach und lassen im digitalen Geländemodell anthropogene Strukturen hervortreten, die am Boden kaum erkennbar sind. So wird gezielte Feldforschung überhaupt erst möglich, zugleich sinkt das Risiko spektakulärer Fehldeutungen. Archäologen mahnen jedoch zu Zurückhaltung bei Bevölkerungs- und Datierungsfragen, bis weitere Grabungen die Fernerkundung verifizieren.

🧩 Konsequenzen und Ausblick Die Ergebnisse zeichnen ein nüchternes, aber folgenreiches Bild: Amazonien war in Teilen früh, dicht und planvoll besiedelt. Das stützt den Grundgedanken hinter Stadt Z, entzaubert jedoch romantische Erwartungen an eine uralte Steinstadt. Für die Forschung bedeutet das mehr Erdreich und weniger Mythos. Erst systematische Ausgrabungen, verlässliche Datierungen und interdisziplinäre Analysen werden zeigen, wie diese Regenwald-Urbanität funktionierte und ob sich dahinter tatsächlich jene kulturelle Blüte verbirgt, die Fawcett vor einem Jahrhundert zu finden hoffte. Bis dahin bleibt Stadt Z eine starke Idee, die durch belastbare Daten allmählich in ein historisches Maß gerückt wird.

🗨️ Kommentar der Redaktion Die neuen Befunde sind substantiell, doch sie sind kein Freifahrtschein für spektakuläre Zuschreibungen. Wer das Upano-Tal vorschnell als Stadt Z etikettiert, verwechselt Spur mit Beweis. Priorität haben saubere Ausgrabungen, konservative Datierungen und transparente Methoden, nicht die Jagd nach Mythen. Bevölkerungszahlen gehören ans Ende der Analyse, nicht an ihren Anfang. Lidar ist ein präzises Werkzeug, aber kein Orakel; es zeigt Konturen, nicht automatisch Kontexte. Wissenschaft überzeugt, wenn sie den Mythos entkleidet und die Evidenz sprechen lässt.

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