📰 Ergebnis in Belém Am Samstag, 22. November 2025, endete der UN-Klimagipfel COP30 in Belém mit einem Kompromiss: mehr Finanzmittel für besonders betroffene Staaten, aber ohne klare, verbindliche Weichenstellung weg von Öl, Gas und Kohle. Die Abschlusserklärung bleibt im sensibelsten Punkt vage; das sorgt international für Kritik und wirft Fragen nach Verbindlichkeit und Umsetzung auf.
🧭 Prozess statt klarer Zielvorgaben Die Gastgeber setzten auf Einigkeit und Verfahren anstelle harter Zielvorgaben. Ein expliziter globaler Pfad zum Ausstieg aus fossilen Energien fand keine Mehrheit. Die brasilianische Präsidentschaft kündigte an, außerhalb des formellen UN-Prozesses mit Verbündeten an einer Roadmap zu arbeiten – politisch relevant, rechtlich jedoch deutlich schwächer als ein Beschluss des Plenums.
⏳ Verhandlungen über die Frist hinaus Die Gespräche zogen sich über die reguläre Frist hinaus; mehrere Delegationen kritisierten das Verfahren als überhastet. Der Eindruck verdichtete sich, dass Tempo über Sorgfalt gestellt wurde.
🌐 Geopolitische Rahmenbedingungen Auch die geopolitische Lage prägte den Gipfel – nicht zuletzt die Abwesenheit der US-Regierung nach dem erneuten Ausstieg aus dem Pariser Abkommen, die die politische Statik spürbar verschob.
💰 Anpassungsfinanzierung verdreifacht, aber verspätet Kernstück des Pakets ist die Anhebung der Anpassungsfinanzierung: Das jährliche Ziel wird auf 120 Milliarden US-Dollar verdreifacht, jedoch mit einer fünfjährigen Verzögerung. Für verletzliche Staaten ist das ein Zwischenerfolg, doch die Finanzierungslücke bleibt absehbar groß.
📊 Indikatoren für Anpassungserfolge Parallel setzte die COP30 59 Indikatoren zur Bewertung der Anpassungsfortschritte ein; ursprünglich waren rund 100, fachlich schärfer formulierte Maßstäbe im Gespräch. Kritiker monieren, die nun gewählten Formulierungen seien zu weich, um Regierungen belastbar zu messen.
⚖️ Unmut über Beschlussfassung Nach schneller Verfahrensführung meldeten sich zahlreiche Staaten zu Wort, die sich übergangen fühlten – darunter EU-Mitglieder, lateinamerikanische Länder und Kanada. Der Vorsitz entschuldigte sich später für das Vorgehen.
🇨🇴 Kolumbiens deutlicher Widerspruch Besonders klar fiel der Einspruch Kolumbiens aus: Das Fehlen jeglicher Sprache zu fossilen Energieträgern sei realitätsfern und widerspreche wissenschaftlich untermauerten Forderungen.
🚨 Warnung vor Anspruchs-Handlungs-Lücke Der UN-Generalsekretär würdigte den Fortbestand des Multilateralismus, verwies jedoch auf die Gefahr einer Lücke zwischen erhobenem Anspruch und notwendigem Handeln.
🧩 Handlungsfähigkeit ohne Richtungsentscheid Der Kompromiss von Belém hält das internationale Klimaregime handlungsfähig – mehr nicht. Ohne klare Leitplanken droht die Politik der kleinen Schritte hinter den physikalischen Realitäten zurückzubleiben.
🎯 Kernforderungen aus konservativer Sicht Entscheidend ist, ob Worte in überprüfbare Resultate münden.
- Planbare Mittelzuweisungen statt Versprechen auf Raten
- Robuste Indikatoren statt weicher Prüfkriterien
- Klarer, mehrjähriger Pfad zur Reduktion fossiler Energieträger mit messbaren Meilensteinen
📅 Nächste Schritte Die kommenden Monate bis zur nächsten COP müssen genutzt werden, um Finanzierung belastbar zu machen, Verfahren zu ordnen und einen verbindlichen Ausstiegskorridor zu verhandeln. Andernfalls bleibt Belém ein Symbol für vertagte Entscheidungen.
🗨️ Kommentar der Redaktion Wer Ziele ernst nimmt, versteckt sich nicht hinter Prozessen. Geldzusagen ohne belastbare Planung und Kontrolle sind Politik auf Kredit. 59 weiche Indikatoren messen niemanden und entlassen Regierungen aus der Verantwortung. Ohne einen verbindlichen Ausstiegskorridor bleibt die fossile Gegenwart unberührt. Führung heißt, heute Entscheidungen zu treffen und sie morgen messen zu lassen. Belém darf nicht zum Synonym für aufgeschobene Pflicht werden.


