Kodersdorf: Enttäuschung über Tarifumstellung und Lohnkürzungen

Kodersdorf. – In der Borbet GmbH in Kodersdorf wächst der Unmut. Beschäftigte wenden sich in einem offenen Schreiben an die Presse und werfen sowohl dem Betriebsrat als auch der Gewerkschaft IG Metall mangelnde Transparenz und Benachteiligung bei der neuen tariflichen Eingruppierung vor. Der Grund: Ausgerechnet jene, die auf mehr Sicherheit und faire Bezahlung gehofft hatten, sollen nach der neuen Tarifstruktur weniger verdienen als zuvor.


🔧 Vom Versprechen fairer Löhne zur Enttäuschung

Seit über zwei Jahren ist die IG Metall im Werk Kodersdorf vertreten – mit dem Ziel, stabile Beschäftigungsbedingungen und perspektivisch höhere Löhne zu schaffen. Doch laut Angaben der Belegschaft sei genau das Gegenteil eingetreten.
„Wir wollten gerechte Löhne, keine Lohnkürzung“, heißt es in dem Schreiben, das der Zittauer Zeitung vorliegt.

Ab Juli dieses Jahres sollte ein tarifkonformes Eingruppierungssystem in Kraft treten. Doch der Verhandlungsprozess zieht sich, viele Mitarbeiter – darunter Schichtführer, stellvertretende Schichtführer und Qualitätsprüfer – seien bis heute nicht eingruppiert.

Beispielhaft nennen Beschäftigte den Fall eines stellvertretenden Schichtführers, der derzeit 17,85 € pro Stunde verdient. Laut Tarifgruppe E7 soll dieser künftig nur 16,76 € erhalten. „Dass eine Tarifumstellung zu einer Absenkung des Grundlohns führt, hat keiner von uns erwartet“, heißt es.


💶 Tarifvertrag bringt teilweise weniger Grundlohn

Auch in anderen Bereichen zeigt sich ein ähnliches Bild: Mitarbeiter der Schmelzerei, die bislang 16,49 € erhielten, sollen künftig 16,25 € bekommen. Zwar gibt es für Vorarbeiter einen Zuschlag von 0,66 €, doch der eigentliche Grundlohn sinkt – mit direkten Folgen für spätere Rentenansprüche.

Besonders kritisch sehen die Beschäftigten den Umgang mit den neuen Stellenbeschreibungen:

„Diese Dokumente dürfen weder kopiert noch fotografiert werden und sind nur beim Betriebsrat einsehbar“, so die Belegschaft.
Die fehlende Transparenz sorge für „massive Unsicherheit“ und verhindere, dass die Mitarbeiter nachvollziehen könnten, nach welchen Kriterien ihre Eingruppierung erfolge.


⚖️ Vergleich mit anderen Borbet-Werken: Kodersdorf fühlt sich benachteiligt

Borbet gilt als einer der führenden Hersteller von Leichtmetallrädern mit Standorten in Deutschland, Österreich und Südafrika. Das Werk in Kodersdorf zählt zu den leistungsstärkeren Standorten der Gruppe. Umso größer ist der Frust, dass sich die Entlohnung offenbar nicht im gleichen Maß entwickelt.
„Wir erwarten eine faire und gleichwertige Vergütung im Vergleich zu Borbet Thüringen oder Borbet Österreich“, heißt es weiter.

Für besondere Empörung sorgt, dass ein Mitarbeiter der Kokillenschlosserei künftig 17,63 € verdienen soll – also mehr als ein stellvertretender Schichtführer, der Verantwortung für drei Abteilungen und über 20 Mitarbeitende trägt.


🗣️ Belegschaft fordert öffentliche Aufklärung

Die Mitarbeitenden appellieren an die Öffentlichkeit, Medien und Politik, Druck auf die Verantwortlichen auszuüben. „Sämtliche Versuche, intern eine Lösung zu finden, sind gescheitert“, schreiben sie.
Sie sehen in der Presse die „letzte Hoffnung“, um faire Bedingungen durchzusetzen und Transparenz im tariflichen Eingruppierungssystem zu erzwingen.

Die Zittauer Zeitung hat sowohl den Betriebsrat als auch Vertreter der IG Metall und der Unternehmensleitung um Stellungnahme gebeten. Eine Antwort lag bis Redaktionsschluss noch nicht vor.


🧭 Kommentar der Redaktion

Was als Schritt in Richtung Gerechtigkeit begann, droht in Kodersdorf zum Symbol für Misstrauen und Enttäuschung zu werden. Wenn eine tarifliche Umstellung – eigentlich Ausdruck sozialer Partnerschaft – in Lohnkürzungen mündet, läuft etwas grundsätzlich falsch.
Die Verantwortlichen bei IG Metall, Betriebsrat und Unternehmensführung sind jetzt gefordert, Transparenz zu schaffen. Es geht nicht nur um Zahlen – sondern um Vertrauen.

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