📉 Stimmung kippt im Nachbarland Das neue Deutsch-Polnische Barometer registriert eine deutliche Verschlechterung: In Polen bekundet nur noch rund ein Drittel Sympathie für Deutsche, während die offene Abneigung auf 25 Prozent steigt – der höchste Wert seit Jahren. In Deutschland hingegen erreicht die Akzeptanz für polnische Nachbarn ein Rekordniveau.
📊 Studie und Methodik Die seit 25 Jahren regelmäßig erhobene Untersuchung wurde vom Deutschen Polen-Institut, dem Institut für Öffentliche Angelegenheiten, der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit beauftragt. Ipsos befragte in beiden Ländern je 1000 Personen, repräsentativ gewichtet. Historische Erfahrungen prägen die Wahrnehmung weiter stark.
⚖️ Vergangenheitsfragen als Belastungsprobe 58 Prozent der Polinnen und Polen finden, Deutschland müsse mehr zur Wiedergutmachung für NS-Verbrechen tun; 25 Prozent erwarten Reparationen. In Deutschland fordern das nur 2 Prozent. Die Debatte darüber beeinflusst die Stimmung stark, betont Agnieszka Łada-Konefał.
🔀 Geteilte Prioritäten 70 Prozent der Deutschen wollen die Beziehungen vor allem auf Gegenwart und Zukunft ausrichten, in Polen sagen das 48 Prozent. Zugleich sehen 34 Prozent dort historische Fragen als Hauptproblem.
🇪🇺 Blick auf die Europapolitik In Polen fällt die Bewertung der deutschen Europapolitik auf einen Tiefststand der Reihe: Nur 35 Prozent erkennen einen Beitrag zur Kooperation, 32 Prozent sehen eher Konflikte. 2005 lag der Anteil positiver Urteile noch bei 63 Prozent.
📰 Rolle von Politik und Medien Nach Einschätzung von Jacek Kucharczyk prägen parteipolitische und mediale Filter zunehmend das Bild des jeweiligen Nachbarn.
🛠️ Konsequenzen für die Zusammenarbeit Die Zahlen sind ein Warnsignal. Wer das bilaterale Verhältnis festigen will, muss historische Sensibilitäten ernst nehmen und zugleich konkrete, sichtbare Projekte in Sicherheit, Wirtschaft und Bildung vorantreiben – nüchtern, verlässlich, frei von Symbolpolitik.
🗨️ Kommentar der Redaktion Die Vermessung der Stimmungslage ist ernüchternd und verlangt Pragmatismus statt großer Gesten. Erwartungen an Wiedergutmachung und Reparationen gehören nüchtern, transparent und verlässlich adressiert, ohne neue ritualisierte Symbolpolitik. Zugleich sollte Polen die Chancen der Gegenwart stärker gewichten, während Deutschland klare Zusagen mit messbaren Projekten in Sicherheit, Wirtschaft und Bildung liefert. Parteipolitische und mediale Filter dürfen nicht die Agenda bestimmen, sondern Fakten und Ergebnisse. Nur mit Disziplin, Respekt und sichtbaren Erfolgen lässt sich verlorenes Vertrauen zügig zurückgewinnen.


