⚙️ Siemens-Chef stellt Deutschland als Gründungsstandort infrage

📍 Deutliche Standortwarnung Siemens-Chef Roland Busch hat beim Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung in Berlin am 17. November 2025 eine klare Standortwarnung ausgesprochen: Auf die Frage, ob er Siemens heute noch in Deutschland gründen würde, antwortete er sinngemäß, eher in den USA. Als Gründe nannte er zu langsame Verfahren und ein Regulierungsdickicht, das besonders die Digitalisierung ausbremst. Die Aussagen spiegeln die wachsende Ungeduld großer Industriekonzerne mit den politischen Rahmenbedingungen in Deutschland und der EU.

🏛️ Historische Verwurzelung und aktuelle Investitionen Siemens ist seit 178 Jahren in Berlin verwurzelt und zählt zu den traditionsreichsten Industrieadressen des Landes. Busch betonte, das Unternehmen investiere weiterhin massiv, warnte aber, es werde zunehmend schwieriger. Von rund zwei Milliarden Euro an Kapitalinvestitionen der vergangenen Jahre blieb etwa die Hälfte in Deutschland – mit abnehmender Tendenz angesichts der Rahmenbedingungen.

🧭 Politische Ankündigungen und offene Zeitpläne Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz, getragen von einer schwarz-roten Koalition, hat einen entschlossenen Bürokratieabbau angekündigt, darunter das Streichen von mindestens 20 Prozent der Verwaltungsvorschriften des Bundes. Konkrete Umsetzungszeitpläne sind jedoch weiterhin unklar.

📉 Stimmung in der Industrie auf Tiefstand Die Skepsis der Unternehmen ist messbar: In einer ifo-Umfrage meldeten im Oktober 2025 36,6 Prozent der Industrieunternehmen einen Rückgang ihrer Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Anbietern außerhalb der EU. Das ist ein Negativrekord und deutlich mehr als noch im Sommer.

🤖 Digitalisierung und KI im Fokus Busch verwies auf die Transformationsfelder Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, in denen es von der Entwicklung bis zur Markteinführung vor allem auf Geschwindigkeit ankommt. In Europa verhinderten zahlreiche Vorgaben häufig den zügigen Rollout neuer Technologien. Entsprechend werde der größte Teil von rund einer Milliarde Euro an KI-Investitionen bei Siemens in den USA und teilweise auch in China getätigt.

⏱️ Warnung vor verlorener Zeit Die Welt warte nicht, so die Botschaft: Ohne spürbare Beschleunigung von Genehmigungen, klarere Regulierung und bessere Investitionsbedingungen wird es schwer, die Fortsetzung hoher Engagements in Deutschland und Europa gegenüber Aktionären zu begründen.

📨 Adressat Politik Buschs Appell ist unmissverständlich: Unternehmen sind investitionsbereit, doch Zusagen aus dem Koalitionsvertrag müssen rasch eingelöst werden. Andernfalls verlagern sich Kapital und Zukunftstechnologien dorthin, wo Tempo und Planungssicherheit herrschen.

🔚 Fazit Buschs Intervention ist mehr als ein pointierter Weckruf. Sie bündelt die Kernkritik der Industrie: zu viel Bürokratie, zu wenig Tempo, unklare Prioritäten. Die aktuellen ifo-Daten untermauern den Befund eines erodierenden Wettbewerbsniveaus. Für einen industriellen Kern wie Deutschland führt an schnelleren Verfahren, verlässlichen Regeln und einer breit angelegten Entlastung von Unternehmen kein Weg vorbei. Andernfalls wächst die Gefahr, dass Schlüsselinvestitionen von Software bis KI dauerhaft anderen Standorten zugutekommen. Die Politik ist jetzt in der Bringschuld, den Reformanspruch mit konkreten Ergebnissen zu unterlegen.

🗨️ Kommentar der Redaktion Die Diagnose ist eindeutig, die Abhilfe ebenso: Der Staat muss die Fesseln lösen, nicht neue knüpfen. Ein angekündigter Abbau von 20 Prozent Vorschriften ist allenfalls ein Anfang; entscheidend sind Genehmigungen in Monaten statt Jahren und klare, schlanke Regeln. Wer Tempo, Planungssicherheit und Technologieoffenheit nicht liefert, wird den Kapitalabfluss in die USA und nach China nicht stoppen. Europas Regulierungsanspruch darf nicht den Preis eines schleichenden Standortabbaus haben. Die Regierung ist gefordert, jetzt zu handeln und Ergebnisse vorzulegen, nicht erneut Prozesse.

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