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☢️ Oberlausitz: Ursu stellt BGE‑Prüfung zum Endlager infrage

📰 Kritik aus Görlitz Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu hat die fortgesetzte Prüfung der Oberlausitz als möglichen Standort für ein Endlager hochradioaktiver Abfälle scharf kritisiert. Anlass ist die aktuelle Einschätzung der Bundesgesellschaft für Endlagerung, wonach das Gebiet zwischen Hoyerswerda, Kamenz und Bautzen weiter in Betracht kommt. Ursu nennt diese Bewertung „wirklichkeitsfern“ und verweist auf laufende Großforschungsvorhaben in der Region. Die Stadt teilte die Position am 4. November 2025 mit.

ℹ️ Hintergrund der Endlagersuche Die Bundesgesellschaft für Endlagerung verantwortet die ergebnisoffene, wissenschaftsbasierte Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle in Deutschland. Seit dem Zwischenbericht „Teilgebiete“ von 2020 werden in repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen alle ausgewiesenen Teilgebiete bewertet, um sie schrittweise auf wenige Standortregionen zu verdichten. Grundlage sind die im Standortauswahlgesetz verankerten Wirtsgesteine Salz, Ton und Kristallingestein. Seit Herbst 2024 veröffentlicht die Gesellschaft jährliche Arbeitsstände aus diesen Untersuchungen.

🛰️ Großforschung in der Oberlausitz In Görlitz entsteht seit mehr als zwei Jahren das Deutsche Zentrum für Astrophysik als international vernetztes Großforschungszentrum. Das Vorhaben bringt wissenschaftliche Infrastruktur von überregionaler Bedeutung in die Region.

🪨 Untertägiges seismisches Labor Teil des Vorhabens ist ein untertägiges seismisches Labor mit hochsensibler Messtechnik in rund 200 Metern Tiefe im Lausitzer Granit, gelegen im Dreieck Bautzen–Kamenz–Hoyerswerda. Nach Angaben der Stadt wird dieses Labor bereits errichtet. Die Anforderungen an seismische Ruhe und Störungsfreiheit für die Messsysteme sind dabei besonders hoch.

🚫 Argumentation des Oberbürgermeisters Aus Sicht von Octavian Ursu schließen die besonderen Anforderungen an die seismische Ruhe des Standorts ein Atommüllendlager in räumlicher Nähe faktisch aus. Er beklagt Unverständnis vor Ort und fordert, dass die Bundesgesellschaft für Endlagerung die neuen wissenschaftlichen Investitionen und deren Schutzbedarfe angemessen berücksichtigt.

🧭 Verfahren und Kriterien der BGE Das Verfahren bleibt ergebnisoffen und stützt sich auf geologische Eignung sowie langfristige Sicherheit. Die repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen sollen die Vielzahl der Teilgebiete auf wenige Standortregionen verdichten. Die aktuellen Arbeitsstände seit Herbst 2024 und die Bewertung der Wirtsgesteine Salz, Ton und Kristallingestein bilden dafür den Rahmen.

⚖️ Zielkonflikt zwischen Endlagersuche und Forschung Der Fall legt einen Zielkonflikt offen: Während bundesweit die sichere Endlagerung priorisiert und wissenschaftlich bewertet werden muss, verlangt die kommunale Ebene Planungssicherheit für milliardenschwere Struktur- und Forschungsprojekte. Transparente Kriterien und eine sichtbar koordinierte Abwägung, einschließlich der rvSU‑Zwischenergebnisse, gelten als entscheidend, um Vertrauen zu sichern und Doppelplanungen zu vermeiden.

📌 Forderungen und Erwartungen Die Stadt erwartet, dass die anstehenden Veröffentlichungsschritte der Bundesgesellschaft die örtlichen Rahmenbedingungen nachvollziehbar adressieren. Auf dieser Basis werden folgende Schwerpunkte genannt:

  • Berücksichtigung neuer wissenschaftlicher Investitionen und ihrer Schutzbedarfe.
  • Nachvollziehbare Einordnung der rvSU‑Zwischenergebnisse für die Region zwischen Hoyerswerda, Kamenz und Bautzen.
  • Transparente Kriterien und klare Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit.
  • Vermeidung von Doppelplanungen durch frühzeitige Koordination mit den regionalen Forschungsverantwortlichen.

🔎 Ausblick Görlitz positioniert sich mit Nachdruck gegen eine weitere Prüfung in unmittelbarer Nähe des entstehenden seismischen Labors. Die Bundesgesellschaft ist gefordert, diese örtlichen Rahmenbedingungen in den nächsten Veröffentlichungsschritten nachvollziehbar zu adressieren.

🗨️ Kommentar der Redaktion Die Mahnung aus Görlitz ist berechtigt: Wer milliardenschwere Forschung aufbaut, darf nicht zugleich mit einem Endlager in der Nachbarschaft planen. Ein seismisch hochsensibles Labor und ein potenzielles Endlager schließen sich im Zweifel aus. Die Bundesgesellschaft muss die Karten offen auf den Tisch legen und zügig Klarheit schaffen, statt Regionen auf Verdacht in der Schwebe zu halten. Nationale Sicherheitsziele rechtfertigen keine Missachtung konkreter Standortrealitäten. Ordnungspolitisch gilt: Erst die Kriterien, dann die Karte – und dort, wo Forschung Ruhe braucht, hat ein Endlager keinen Platz.

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