🇺🇸 Entscheidung der USA Die US-Regierung hat Kolumbiens Präsidenten Gustavo Petro auf die Clintonliste gesetzt – gemeinsam mit seiner Ehefrau Verónica Alcocer, seinem Sohn Nicolás Petro und Innenminister Armando Benedetti. Das Finanzministerium begründet den Schritt mit dem Vorwurf, Petros Politik habe den Drogenhandel begünstigt. Der Präsident weist dies zurück und kündigt juristische Schritte in den USA an.
🧠Hintergrund Clintonliste Die Clintonliste ist ein Sanktionsinstrument des US-Finanzministeriums aus den 1990er-Jahren, das Akteure des internationalen Drogenhandels und der Geldwäsche vom US-Finanzsystem ausschließen soll. Betroffene müssen mit dem Einfrieren von Vermögenswerten in den USA, umfassenden Transaktionsverboten für US-Personen und erheblichen Reputationsrisiken rechnen. In Kolumbien hatte das Instrument bereits in den 1990er-Jahren spürbare Folgen für Wirtschaftsakteure mit mutmaßlichen Kartellverbindungen.
📅 OFAC-Mitteilung und Rechtsgrundlage Am 24. Oktober 2025 ordnete das Office of Foreign Assets Control (OFAC) Petro nach US-Recht als gelistete Person ein. Grundlage sind drogenbezogene Sanktionsbefugnisse gemäß Executive Order 14059. In der Begründung heißt es, unter dem Banner des Programms „Paz Total“ hätten kriminelle Strukturen Vorteile erhalten; zugleich verweisen die Behörden auf Rekordwerte beim Koka-Anbau und der Kokainproduktion. Zugleich wurden Alcocer, Nicolás Petro und Benedetti als Unterstützer des Präsidenten gelistet.
💳 Sanktionsfolgen Mit der Listung werden Vermögenswerte der Betroffenen in der US-Jurisdiktion blockiert. US-Bürgern und US-Unternehmen sind Geschäfte mit den Gelisteten grundsätzlich untersagt. Damit verbunden sind erhebliche Reputationsrisiken, die über den Finanzsektor hinaus Wirkung entfalten können.
🗣️ Kritik und Erwiderungen Michele Manatt, die in den 1990er-Jahren an der Entstehung der Liste mitwirkte, moniert, die Entscheidung folge nicht dem früheren Standard umfassender Ermittlungen und internationaler Abstimmung und wirke eher politisch als technisch motiviert. Petro bezeichnet die Vorwürfe als „haltlos“, verweist auf hohe Sicherstellungen von Kokain unter seiner Regierung und will die Sanktionen vor US-Gerichten anfechten.
🌎 Reaktionen in der Region Linke und Mitte-links-Stimmen in Lateinamerika bewerten den Schritt als Einmischung in die inneren Angelegenheiten Kolumbiens. Die politische Debatte über Drogenpolitik und Souveränität gewinnt damit an Schärfe.
🏛️ Innenpolitische Dimension In Bogotá wertete Petro eine interne Befragung im Regierungsbündnis Pacto Histórico am 26. Oktober mit Millionen Teilnehmern als Zeichen der Unterstützung angesichts internationalen Drucks. Parallel verschärfen öffentliche Attacken aus Washington das Klima: Ex-Präsident Donald Trump, der in der US-Politik weiterhin großen Einfluss hat, beschuldigte Petro der Komplizenschaft mit dem Drogenhandel.
⚖️ Ausblick Mit der Listung eines amtierenden Staatsoberhaupts hebt Washington die Auseinandersetzung über Drogenpolitik und Sicherheit auf eine neue Stufe. Kurzfristig drohen finanzielle Friktionen und diplomatische Verwerfungen; langfristig bleibt offen, ob die Maßnahme abschreckt oder die sicherheitspolitische Zusammenarbeit zusätzlich belastet. Entscheidend wird sein, ob die Vorwürfe transparent untermauert und rechtsstaatliche Standards gewahrt werden. Petros angekündigte Klage dürfte vor US-Gerichten prüfen, wie trennscharf Sanktionspraxis und politische Agenda gehandhabt werden.
🗨️ Kommentar der Redaktion Die USA schützen mit der Clintonliste ihr Finanzsystem und senden ein hartes Signal gegen den Drogenhandel; das ist legitim und notwendig. Wer Regierungsverantwortung trägt, muss sich an messbaren Ergebnissen messen lassen, nicht an politischen Narrativen. Zugleich gilt: Sanktionen gegen ein amtierendes Staatsoberhaupt verlangen höchste Beweisdichte und Transparenz, damit sie nicht als Machtinstrument erscheinen. Petros Klage kann Klarheit schaffen – er sollte seine Gegenargumente vor Gericht belegen, Washington seine Beweise offenlegen. Die Region braucht weniger Symbolik und mehr Wirksamkeit: Rechtssicherheit, Kooperation und nachprüfbare Resultate im Kampf gegen Kartelle.


