đ° LĂ€hmende Finanznot Die Vereinten Nationen rutschen abermals in eine LiquiditĂ€tskrise. Milliarden an ausstehenden PflichtbeitrĂ€gen bremsen den Apparat in einer Phase, in der Kriege und humanitĂ€re Notlagen internationale HandlungsfĂ€higkeit verlangen. Besonders heikel: GroĂe Mitgliedstaaten nutzen ZahlungszurĂŒckhaltung zunehmend als politisches Druckmittel. Missionen werden gestreckt, Zusagen vertagt, AutoritĂ€t erodiert und aus finanztechnischen EngpĂ€ssen erwĂ€chst ein Sicherheitsrisiko.
đŒ Drei SĂ€ulen der Finanzierung Das UN-System finanziert sich aus dem regulĂ€ren Haushalt, den zweckgebundenen FriedenseinsĂ€tzen und freiwilligen BeitrĂ€gen. Diese Architektur soll VerlĂ€sslichkeit sichern, wird jedoch durch unzuverlĂ€ssige ZuflĂŒsse ausgehöhlt und schwĂ€cht die strategische SteuerungsfĂ€higkeit.
đž Haushalt 2025 unter Druck Im regulĂ€ren Budget tragen die USA mit 22 Prozent den gröĂten Anteil, gefolgt von China mit 20 Prozent. Der UNâHaushalt 2025 belĂ€uft sich auf rund 3,7 Milliarden USâDollar. Wegen stockender Zahlungen hat das Sekretariat die Ausgaben bereits um bis zu 20 Prozent gekĂŒrzt und einen Einstellungsstopp verhĂ€ngt. Der Krisenmodus schmĂ€lert die Handlungs- und Planungssicherheit der Organisation.
đ RĂŒckstĂ€nde im regulĂ€ren Haushalt Allein im regulĂ€ren Haushalt summieren sich die ZahlungsrĂŒckstĂ€nde auf rund 1,87 Milliarden USâDollar. Die USA stehen mit etwa 1,495 Milliarden USâDollar besonders in der Kreide, China mit rund 192 Millionen und Russland mit etwa 72 Millionen USâDollar.
đĄïž Defizite bei FriedenseinsĂ€tzen Bei den FriedenseinsĂ€tzen klafft zusĂ€tzlich ein Loch von rund 3,73 Milliarden USâDollar. Darauf entfallen auf die USA etwa 2,356 Milliarden, auf China rund 685 Millionen und auf Russland knapp 199 Millionen USâDollar.
đȘ Folgen fĂŒr Missionen und Truppensteller Die LĂŒcken treffen die EinsatzrealitĂ€t. Missionen wie UNMISS im SĂŒdsudan oder MINUSCA in der Zentralafrikanischen Republik mĂŒssen mit verspĂ€teten Erstattungen rechnen. Truppenstellenden LĂ€ndern stehen insgesamt Hunderte Millionen USâDollar zu, was Anreize setzt, kĂŒnftig weniger Personal zu entsenden.
â ïž Ungleiche Zahlungsmoral WĂ€hrend im regulĂ€ren Haushalt deutlich ĂŒber hundert Staaten ihre BeitrĂ€ge beglichen haben, bleibt die Beteiligung an den FriedenseinsĂ€tzen deutlich darunter. Das ist ein gefĂ€hrlicher Trend fĂŒr die Stabilisierung fragiler Regionen und unterminiert die GlaubwĂŒrdigkeit mandatsgestĂŒtzter PrĂ€senz.
đŻ AbhĂ€ngigkeit von freiwilligen Mitteln Politisch brisant ist die wachsende AbhĂ€ngigkeit von freiwilligen, meist zweckgebundenen Zuwendungen. Sie stopfen kurzfristig LĂŒcken, verschieben aber PrioritĂ€ten dorthin, wo Geldgeber Interessen setzen, nicht zwingend dorthin, wo die Lage es gebietet.
đ Teufelskreis der HandlungsunfĂ€higkeit Finanzknappheit bremst die UN, schwindende Wirksamkeit mindert Zahlungsbereitschaft, was die HandlungsunfĂ€higkeit weiter vertieft. Die Folgen reichen von Gaza ĂŒber die Ukraine bis nach Afrika und schwĂ€chen das Instrumentarium kollektiver Sicherheit.
đ§ Konsequenzen und Ausblick Ohne fiskalische VerlĂ€sslichkeit bleibt kollektive Sicherheit eine Fiktion. Wer die UN als ordnungspolitisches Instrument ernst nimmt, muss die Pflichtfinanzierung entpolitisieren und Zahlungsverzug spĂŒrbar sanktionieren, mit klaren Anreizen und Konsequenzen. GröĂere Haushalte sind kein Selbstzweck, doch solide Zahlungsströme sind Voraussetzung, um Mandate zuverlĂ€ssig zu erfĂŒllen, Frieden zu sichern und humanitĂ€re Katastrophen einzudĂ€mmen. Andernfalls schrumpft die Weltorganisation zum Mahner ohne Mittel und ĂŒberlĂ€sst das Feld Akteuren mit eigenen Agenden.
đšïž Kommentar der Redaktion Zahlungsdisziplin ist keine technische Nebensache, sondern Teil der Sicherheitsarchitektur. Wer Gewicht in der UN beansprucht, muss seine PflichtbeitrĂ€ge vollstĂ€ndig und fristgerecht leisten. Die Politisierung der Finanzierung schwĂ€cht Mandate und belohnt taktische Blockade. Erforderlich sind klare Regeln, automatische und spĂŒrbare Konsequenzen bei Verzug sowie Vorrang fĂŒr die Pflichtfinanzierung. Ohne diese Ordnung erodiert AutoritĂ€t, und am Ende zahlen EinsatzkrĂ€fte und Zivilbevölkerungen den Preis.


