Direct-Air-Capture als Schlüsseltechnologie – Pilotanlage in München filtert zehn Tonnen CO₂ pro Jahr
München – Was wie Science-Fiction klingt, ist längst Realität: Das Münchner Startup Phlair testet mit einer Pilotanlage im Stadtgebiet eine neue Technologie zur CO₂-Entnahme direkt aus der Atmosphäre. Mit einem sieben Meter hohen Turm gelingt es, jährlich rund zehn Tonnen Kohlendioxid aus der Luft zu ziehen – das entspricht dem CO₂-Fußabdruck eines durchschnittlichen Deutschen.
🔬 So funktioniert die CO₂-Filterung von Phlair
Phlair setzt auf ein elektrochemisches Direct-Air-Capture-Verfahren, das im Vergleich zu klassischen Methoden besonders energieeffizient ist.
Das gefilterte CO₂ wird dauerhaft gespeichert – beispielsweise in unterirdischen Gesteinsschichten.
CEO Malte Feucht betont:
„Unser System benötigt nur rund ein Drittel der Energie herkömmlicher Wärmesysteme – und lässt sich direkt an Solar- oder Windstrom koppeln.“
⚡ Klimaschutz nur mit sauberem Strom
Kritiker bemängeln zurecht den hohen Energiebedarf vieler CO₂-Filteranlagen. Doch Phlair hat darauf eine Antwort: Die Pilotanlage wird mit erneuerbaren Energien betrieben, was eine tatsächlich klimaneutrale Entnahme ermöglicht. Nur so kann Direct-Air-Capture nachhaltig funktionieren – andernfalls wird durch Kohlestrom sogar mehr CO₂ erzeugt als gebunden.
🏭 Vorbild Island: Das Gigaprojekt „Mammoth“
Ein Blick nach Island zeigt das Potenzial: Dort betreibt Climeworks mit „Mammoth“ die derzeit größte CO₂-Entfernungsanlage der Welt. Bis zu 36.000 Tonnen CO₂ pro Jahr werden gefiltert und im Basaltgestein gespeichert – angetrieben durch geothermische Energie.
Phlair will zeigen, dass ähnliche Systeme auch in Deutschland skalierbar sind.
🎯 Kein Freibrief für Emissionen – aber Teil der Lösung
Malte Feucht warnt vor einer Illusion:
„CO₂-Filter sind kein Ersatz für echte Emissionsvermeidung. Sie sind eine Backup-Technologie für die letzten zehn Prozent, die sich nicht vermeiden lassen.“
Etwa 80 Prozent der Emissionen sollten über Vermeidung und Effizienz erreicht werden – Direct-Air-Capture ist laut Feucht die kritische Infrastruktur für den Rest.
💸 Geschäftsmodell: CO₂-Zertifikate & Modulverkauf
Phlair verdient nicht nur durch den Verkauf der Anlagen selbst, sondern bietet auch CO₂-Entnahmezertifikate für Unternehmen und Privatpersonen an.
Einer der Kunden ist die Private-Equity-Firma Waldegg.
Manager Fabian Kiechle erklärt:
„Wir investieren nur in Technologien, bei denen die Entnahme nachweislich und dauerhaft ist.“
🔮 Die Vision: Millionen Tonnen CO₂ aus der Luft holen
Bis in die 2030er-Jahre will Phlair mit einer eigenen Produktionslinie und tausenden Modulen auf Megatonnen-Niveau skalieren. Der Weg dahin ist lang – doch das Potenzial riesig.


