Bautzen lebt – Zwischen Türmen, Tradition und Transformation
Bautzen, Juni 2025
Majestätisch erhebt sich der Dom St. Petri über den Dächern der Altstadt, während unter ihm das alltägliche Leben pulsiert – in Cafés, auf Wochenmärkten, in den engen Gassen. Bautzen, das historische, politische und kulturelle Zentrum der Oberlausitz, ist heute mehr als eine Kulisse für Reiseprospekte: Es ist eine lebendige Stadt im Aufbruch, die mit Stolz auf ihre Geschichte blickt und mit Neugier nach vorn.
Geschichtsträchtig – und doch voller Leben
Mit über 1.000 Jahren Stadtgeschichte zählt Bautzen zu den ältesten Städten Sachsens. Das mittelalterliche Stadtbild ist geprägt von 19 erhaltenen Türmen, imposanten Kirchen, Befestigungsanlagen und Bürgerhäusern, die ein einzigartiges architektonisches Ensemble bilden. Doch was Bautzen besonders macht, ist nicht nur der Stein – es ist der Geist, der hier weht.
Wo andere Städte sich in ihrer Vergangenheit verlieren, hat Bautzen sie integriert: in ein modernes Stadtleben mit Kulturangeboten, Märkten, Bildungseinrichtungen und sozialem Engagement. Die Altstadt ist kein Museum, sondern ein Ort gelebter Urbanität.
Zentrum sorbischer Identität
Bautzen ist das Herz der sorbischen Kultur. Als Sitz der Stiftung für das sorbische Volk, Standort des Sorbischen National-Ensembles, sorbischer Schulen, Kindergärten und Medien wie dem „Serbske Nowiny“ ist die Stadt ein Leuchtturm der zweisprachigen Identität Deutschlands.
Sorbisch und Deutsch begegnen sich hier nicht nur auf Straßenschildern, sondern auch im Alltag, in Schulen, in Familien, in Gottesdiensten. Es ist ein europaweit einzigartiges Modell kulturellen Nebeneinanders – und ein Zeugnis dafür, wie Minderheitenrechte gelebt werden können, ohne ihre Wurzeln zu verlieren.
Jung, engagiert, kreativ: Der neue Puls der Stadt
Trotz des traditionsreichen Images ist Bautzen keine Stadt der Nostalgie. Vor allem junge Menschen und kreative Köpfe prägen das Bild einer Stadt im Wandel. Projekte wie das Steinhaus, Soziokulturelle Zentren, offene Werkstätten, Jugendforen und lokale Start-ups bringen neue Impulse in die Stadtgesellschaft.
Das jährliche Filmfestival „move it!“, Street-Food-Events, die Museumsnacht oder die Bautzener Romantica ziehen längst nicht mehr nur Einheimische an. Auch Rückkehrer aus Leipzig, Berlin oder Dresden finden wieder den Weg zurück – mit neuen Ideen, die sie in ihrer Heimat verwirklichen wollen.
Bautzen denkt weiter – zwischen Strukturwandel und Nachhaltigkeit
Der Kohleausstieg in der Lausitz, die Herausforderungen der demografischen Entwicklung und die zunehmende Digitalisierung betreffen auch Bautzen direkt. Doch anstatt zu resignieren, hat sich die Stadt positioniert:
- als Bildungsstandort mit Fachhochschule und Berufsschulzentren,
- als Verwaltungszentrum für die Region,
- und als Knotenpunkt für innovative Mittelständler im Bereich Maschinenbau, Solar, Lebensmittel, und Medien.
Mit dem geplanten Ausbau nachhaltiger Mobilität, dem Erhalt historischer Bausubstanz und Investitionen in Bildung und Tourismus steht Bautzen sinnbildlich für den Wandel einer ganzen Region – zwischen Tradition und Zukunftsfähigkeit.
Eine Stadt mit Stimme und Haltung
Politisch ist Bautzen oft in den Schlagzeilen – mal wegen lebhafter Debatten, mal wegen Kontroversen. Doch genau das zeigt, dass diese Stadt nicht gleichgültig ist. Bürgerschaftliches Engagement ist stark ausgeprägt: von Heimatvereinen über Jugendparlamente bis hin zu Klimainitiativen und Denkmalschutzgruppen.
Die Vielfalt an Meinungen, der Stolz auf die eigene Stadt und das Mitgestalten des Öffentlichen Raums machen Bautzen zu einem Ort, der nicht stillsteht – auch wenn die Wege manchmal unbequem sind.
Fazit: Bautzen lebt – und das mit Haltung
Bautzen ist mehr als die Türme, der Senf oder die Geschichten aus dem Stasi-Gefängnis. Die Stadt ist ein Spiegelbild Ostdeutschlands im besten Sinne: historisch tief verwurzelt, sprachlich und kulturell vielfältig, offen für Wandel und bereit, Verantwortung zu übernehmen.
Zwischen Görlitz und Dresden, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Stadtmauer und Startup-Kultur ist Bautzen ein Ort, der zeigt: Die Oberlausitz hat nicht nur Geschichte – sie hat Zukunft.