Zittau / Großschönau / Oybin – Darf das Zittauer Gebirge bald den Titel Nationalpark tragen? Eine mögliche Einstufung des kleinsten Mittelgebirges Deutschlands als Nationalpark sorgt derzeit in der Region für Diskussionen. Während Naturschützer und Tourismusverbände Vorteile sehen, warnen Bürgerinitiativen und Forstwirtschaft vor Einschränkungen für Eigentümer, Wanderer und Waldbauern.
Vom Naturpark zum Nationalpark – was würde sich ändern?
Derzeit ist das Zittauer Gebirge als Naturpark geschützt. Eine Hochstufung zum Nationalpark hätte weitreichende Konsequenzen:
Kernzonen müssten der natürlichen Entwicklung überlassen werden, wirtschaftliche Nutzung wäre dort nicht mehr erlaubt.
Fördermittel und Bundesgelder könnten steigen – sowohl für Naturschutz als auch touristische Infrastruktur.
Neue Besucherzentren, Lehrpfade, Forschungseinrichtungen wären denkbar.
Befürworter sprechen von einem „Jahrhundertschritt“ für den regionalen Naturschutz und einem touristischen „Qualitätssiegel“.
Kritische Stimmen: Nutzungseinschränkung und Bürokratie
Kritik kommt insbesondere von Waldbesitzern, privaten Grundstückseigentümern und Jagdpächtern. Sie befürchten:
Nutzungsverluste, etwa durch das Verbot von Holzeinschlag oder Jagd in Kernzonen
Einschränkungen für Tourismusangebote wie Mountainbike-Strecken oder Hüttenbetrieb
Verlust lokaler Entscheidungshoheit, da Nationalparks bundesrechtlich geregelt sind
Ein neu gegründeter Bürgerverein „Zittauer Gebirge – für uns“ sammelt derzeit Unterschriften gegen die Nationalpark-Idee.
Wie geht es weiter?
Die Entscheidung liegt mittelfristig beim Freistaat Sachsen. Das Umweltministerium prüft aktuell Machbarkeit und Flächenpotenzial. Gleichzeitig sind Dialogveranstaltungen mit Anwohnern, Touristikern und Waldbesitzern in Vorbereitung.
Fazit
Das Zittauer Gebirge steht vor einer Weichenstellung: Zwischen mehr Schutz und mehr Vorschrift – zwischen internationalem Renommee und regionaler Selbstbestimmung. Die Debatte ist eröffnet – und betrifft alle, die in der Oberlausitz leben, wirtschaften oder Urlaub machen.